Fakten 2: Welche konkreten Texte gibt es in muslimischen Quellen aus dem 1. oder 2. Jahrhundert nach der Hidschra,, die islamische Urteile über Homosexualität dokumentieren? Gibt es aus dieser Zeit Berichte über Urteile zu Homosexualität bei den Muslimen?“
Fakten 2: Fakten aus dem Qur'ân, der Ḥadîṯ-Geschichte mit Fragen an ChatGPT: Ende März - Ende Juli 2025 (über Homosexualität, in Sodom, über AT, AT-Geschichte)
Hauptartikel:
1 Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos
Folgende weitere Themen wurden anschließend hinzugefügt:
2 Einige Anmerkungen dazu
3 Zur Strafbarkeit von Homosexualität
4 Einige Worte über die immense Arbeit und die Akribie von Hadîṯ-Sammlern
5 Welche Autoren, welche Bücher gibt es zum Thema 'Islam und Homosexualität'? (Frage an ChatGPT 27.08.2025)
6 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Moscheen sind homofreundlich? (Fragen an ChatGPT 27.08.2025 und 28.08.2025)
7 Ein Hinweis zur menschlichen Natur (fiṭra -فطرة)
8 Nachträge zu Feststellungen auf der Unterseite „Fakten 1“
9 Fazit der bisherigen Untersuchungen
1 Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos
Homosexualität im Islam
Das Ergebnis der Beschäftigung vieler Jahre mit dem Thema „Islam und Homosexualität“ ist in den folgenden Zeilen zu finden und wurde mit Hilfe der künstlichen Intelligenz (ChatGPT) ergänzt: Die Annahme dabei war, dass ChatGPT Literatur durchsucht, die nicht ohne weiteres zugänglich ist und weitere Argumente liefert (ChatGPT, Ende März - Ende Juli 2025).
Für muslimische Gelehrte, Kommentatoren und andere, die sich bei dem vorliegenden Thema mit dem Qur'ân befassen, dem offenbarten Wort Allahs, ist es durch alle Jahrhunderte bis heute unwichtig, ob die Basis, die Voraussetzungen, auf der sie Ihre Aussagen und Meinungen stützen, beweisbar und belegbar sind. Sie verlassen sich, wie hier gezeigt wird, auf legendenhafte Erzählungen, phantasievolle Narrative, statt einzig nach den Fakten zu fragen und ihre zu Grunde gelegten Annahmen kritisch zu prüfen, zu hinterfragen. Und entsprechend fehlerhaft fallen ihre abgeleiteten Meinungen aus. Und die noch weniger Gebildeten ihrer Anhänger folgen ihnen und machen deren Standpunkte zur Basis ihrer Entscheidungen, was Islam für sie sein soll.
Der Qur'ân und damit der Islam waren nie homophob und sind nicht homophob.
Aber viele Muslime sind es weiterhin.
Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob im Islam Homosexualität zulässig sei, erfährt sehr schnell, dass viele Muslime sie als verboten ansehen, manchmal in einer Weise, als ob der Islam gleichzusetzen sei mit einer homophoben Grundeinstellung, so dass Homosexuelle sogar zu Nicht-Muslimen erklärt werden.
Warum der Rückgriff auf Künstliche Intelligenz?
ChatGPT | Auf die Frage:„Wie begrenzt sind die Quellen für Künstliche Intelligenz, wie verlässlich sind ihre Aussagen?“ gibt ChatGPT u.a. folgende Selbsteinschätzung: |
ChatGPT stufte sich bei Themen wie Geschichte und Wissenschaft als gut ein, d.h. auf Gebieten, zu denen es im nachfolgenden Text befragt wird. Die Antworten auf Fragen an ChatGPT werden (wie in diesem Beispiel) etwas nach rechts verschoben wiedergegeben.
Die folgende Abhandlung bietet viele Beispiele und Anregungen, sich mit dem Thema „Homosexualität im Islam“ auseinanderzusetzen. Viele Vertreter traditioneller Ansichten hinterfragen die Geschichte und Entstehung ihrer Meinungen nicht. Sie glauben sogar, dass eine über viele Jahrhunderte vertretene Meinung „richtig“ sein muss, sie prüfen nicht einmal die Herkunft ihrer Position. Nicht die Worte des Qur'âns stehen im Zentrum ihrer Vorstellungen, sondern die Ansichten von Gelehrten, Menschen, in der Vergangenheit.
Der Aufbau dieser Web-Seite:
Was ist Islam?
Qur'ân und Qur'ân-Kommentare
Was ist Homosexualität?
Ist Homosexualität eine Krankheit?
Wie hoch ist der prozentuale Anteil von Schwulen in einer Population?
Was wissen wir über die Bewohner von Sodom?
Historische Belege für Homosexualität bei den Bewohnern von Sodom?
Alte, vor-qur'ânische Quellen zu dem Thema
Zur Entstehungsgeschichte der Thora
Moderne wissenschaftliche Sicht (Quellenhypothese / Pentateuchkritik)
Lebensdaten wichtiger Personen im Alten Testament
Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5)
Die ältesten Texte, die Homosexualität in Genesis 19,5 (1 Mose 19,5) sehen:
1. Jüdische Texte aus dem Zweiten Tempel (ca. 2. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.)
2. Frühchristliche Autoren
3. Rabbinische Literatur (Midraschim, Talmud)
Die Qumran-Schriftrollen über Sodom und Lot und sein Volk
Der Sodom-Mythos
Gibt es einen Sodom-Mythos?
Was ist ein Mythos?
Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos
Die ältesten bekannten Fälle homosexueller Lebensweise
Religiöse Verbote von Homosexualität?
Das Alte Testament
Das Neue Testament
Die Aussage des Qur'âns
Erlaubt (ḥalâl) und verboten (ḥarâm) im Qur'ân
Die Textstellen über Lot und sein Volk
Eine dem Wortlaut des Qur'âns nähere Interpretation
Hinweis zu dem Wort شهوة – šahwa
Gibt es den Einfluss des Korans, ca. 610 - 632 entstanden und ca. 644 - 656 kodifiziert, oder besser: gibt es Belege für den Einfluss der ältesten Koran-Kommentare auf die ältesten arabischen Wörterbücher, deren Verfasser ja nach dieser Zeit lebten? Beispiel: das Wort šahwa = شهوة"
Zeitpunkt der Offenbarung von (3:14)
Der Vers (30:21) über zwischenmenschliche Partnerschaften
Nachdenken statt einfach vorhandenen Meinungen zu folgen
Die Vorgeschichte der traditionellen Interpretation
ḥadîṯe - الاحاديث
Das abschließende Fazit
Schlussfrage
Die Abhandlung zum Thema „Homosexualität im Islam“
Was ist Islam?
Der Islam und damit die islamische Lehre, so wie sie hier verstanden werden, beruhen ausschließlich auf dem arabischen Wortlaut des Qur'âns und authentischen Ḥadîṯen. Alles was darüber hinausgeht, ist eher so etwas wie Muslimtum, d.h. Vorstellungen, Annahmen, Überzeugungen, wie Muslime sie oft haben.
Daher: Islam ist mehr als die Summe aller „Muslimtümer“, weitaus mehr.
Wenn jemand sagt, dass er/sie Muslim ist, ist damit oft die Zugehörigkeit zu einem bestimmten maḏhab (Rechtsschule, fiqh-System) verbunden oder einer bestimmten, historisch gewachsenen Gruppe.
Das jedoch darf niemals dazu führen, die Aussagen einer solchen Gruppierung ohne nachzudenken als unbestreitbares Dogma zu akzeptieren. Denn sie alle sind das Ergebnis von Menschen, die unter bestimmten Einflüssen und Denkschulen lebten, vielleicht ohne die Möglichkeit, die Voraussetzungen für ihre Entscheidungen zu überprüfen.
Deren Aussagen, Meinungen, Rechtsauffassungen usw. sind gegen den Qur'ân-Text und die heute bekannten Fakten zu prüfen, bevor sie akzeptiert werden.
Menschen sind Geschöpfe Allahs, und leben in der von Ihm geschaffenen Welt, über die sie durch Forschung ein immer genaueres, realeres Bild gewinnen, seien es die Naturwissenschaften, die Geschichte usw.
Qur'ân und Qur'ân-Kommentare
Wenn wir den Qur'ân kommentieren wollen, so sollten wir das Folgende berücksichtigen:
Muhammad Ali, The Religion of Islam, S. 45 – 47, schrieb:
"Der wichtige Grundsatz, den man sich bei der Auslegung des Heiligen Qur'âns merken sollte, ist, dass die Bedeutung innerhalb des Qur'âns gesucht werden sollte, und niemals sollte eine Stelle auf solche Weise interpretiert werden, dass sie im Widerspruch zu einer anderen Stelle steht. [...] In diesem Zusammenhang habe ich nur hinzuzufügen, dass Ḥadîṯh auch eine Erklärung des Heiligen Qur'ân darstellt; aber ein ḥadîṯh kann nur akzeptiert werden, wenn er zuverlässig ist und nicht im Gegensatz zu dem steht, was klar im Qur'ân ausgesagt wird."
Im Kapitel "Berichte in Biographien und Kommentaren“ heißt es bei ihm auf S. 78 f.:
"[...] Viele nachlässige Kommentatoren warfen den Hadith mit jüdischen und christlichen Geschichten durcheinander und machten von letzteren freien Gebrauch, als ob sie so viele Berichte wären. Wie ibn H̱aldûn [732–808 AH/1332 – 1406, muslimischer Gelehrter, Historiker, Philosoph, Soziologe] über die Kommentare sagt:
'Der Grund dafür ist, dass die Araber ein ungebildetes Volk ohne Literatur und ohne Wissen waren, und Wüstenleben und Unwissenheit ihre Hauptmerkmale waren, und wann immer sie wie die Sterblichen wünschten, Wissen über die Ursache der Existenz und den Ursprung der Schöpfung und die Geheimnisse des Universums zu erlangen, wandten sie sich für Informationen an die Anhänger des Buches, die Juden und die Christen, die ihren Glauben praktizierten. Aber diese Leute des Buches waren wie sie selbst, und ihr Wissen über diese Dinge ging nicht weiter als das Wissen der unwissenden Massen. Als diese Leute den Islam annahmen, behielten sie ihre Geschichten bei, die nichts mit den Geboten des islamischen Gesetzes zu tun hatten, wie die Geschichten über den Ursprung der Schöpfung und Dinge, die sich auf die Zukunft und die Kriege beziehen. Diese Leute waren wie kaʿb aḥbâr und wahb ibn munabbih und ʿabdu`llâh ibn salâm und andere. Die Kommentare zum Heiligen Qur'ân wurden bald mit diesen Geschichten von ihnen gefüllt. Und in solchen Dingen gehen die Berichte nicht über sie hinaus, und da diese nicht mit Geboten zu tun haben, wird ihre Richtigkeit nicht in dem Maße gesucht, dass man nach ihnen handelt, und die Kommentatoren nehmen sie eher nachlässig, und so haben sie ihre Kommentare mit ihnen gefüllt.' (Mq. I, S. 481, Kap. ʿulûm al-qur'ân).'
„[...] In der Tat sind einige der Kommentare, die zitierten Berichte, kindischer Unsinn. Sogar auf den Kommentar von ibn jarîr [aṬ-Ṭabarî], mit all seinem Wert als literarisches Erzeugnis, kann man sich nicht verlassen. [...].“
Ein gewisser Dünkel, ein Gefühl der Überlegenheit auf Seiten der Konvertiten (mawâlî) gegenüber den oft weniger gebildeten Arabern und deren Unterlegenheitsempfinden, spielte dabei wohl auch eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie Maulana Muhammad 'Ali, The Religion of Islam, von ibn H̱aldûn zitiert, der weitaus drastischere Worte verwendet. Eine brisante Gemengelage, wie das Ergebnis in vielen der Kommentare zeigt. Und der Verdacht regt sich, dass es eine bewusste Einflussnahme in größerem Umfang gab auf einem Markt von Nachfrage und Angebot, mit Erfindern, Geschichtenerzählern, den quṣṣāṣ, und anderen.
Wenn wir Quellen, Argumente neben dem Qur'ân verwenden, so sollten ihre Aussagen auf überprüfbaren Fakten beruhen. Und wir sollten sie erst verwenden, wenn wir uns davon überzeugt haben. Alles andere würde bedeuten, den Qur'ân als das Wort Allahs nicht ernst zu nehmen.
Wie jeder überzeugte Muslim bin ich ganz sicher, dass Allah bei Seiner Offenbarung sich nicht auf solche Phantasiegeschichten bezieht, wie sie im Sodom-Mythos auftauchen und zweifelhafter Herkunft sind.
Was ist Homosexualität?
Auf diese Frage antwortete ChatGPT:
ChatGPT | „Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung. Sie beschreibt das romantische oder sexuelle Interesse eines Menschen an Personen des gleichen Geschlechts. Das bedeutet zum Beispiel: |
Die gleiche Aussage mit den Worten eines Muslim:
Allah in Seiner Weisheit und Barmherzigkeit erschuf alles Existierende. Er erschuf in der Vergangenheit homosexuelle Lebewesen und Er erschafft sie weiterhin. Homosexualität ist somit ein schöpfungsinhärentes Phänomen, von Allah so gewollt. Und der Qur'ân kennt weder ein Verbot noch eine Verurteilung dieser Lebensweise.
Homosexuelle schaden durch ihre gelebte sexuelle Orientierung niemandem.
Ist Homosexualität eine Krankheit?
Auf diese Frage antwortete ChatGPT:
ChatGPT | „Nein, Homosexualität ist keine Krankheit“ und gibt als Fazit: „Homosexualität ist eine normale, natürliche und nicht pathologische sexuelle Orientierung. Der Versuch, sie zu „heilen“ (z. B. durch sogenannte Konversionstherapien) wird von allen großen medizinischen und psychologischen Fachgesellschaften als unwissenschaftlich und schädlich abgelehnt“ |
Zu den von Allah geschaffenen Fakten gehören ebenso wissenschaftliche Forschungsergebnisse, z.B.:
„Im Jahr 1990 streicht die WHO Homosexualität von der Liste der Krankheiten – vier Jahrzehnte, nachdem eine Psychologin gezeigt hatte, wie falsch solch eine „Diagnose“ ist.“ ('Der Tagesspiegel', 17.05.2023).
Daraufhin wurden vielerorts auch sog. „Konversions-“, „Reorientierungs-“ und „Reparativ-Therapien“ wegen ihrer Schädlichkeit verboten.
Wie hoch ist der prozentuale Anteil von Schwulen in einer Population?
Auf diese Frage gab ChatGPT als Fazit an:
ChatGPT | „Der Anteil von Menschen, die sich ausschließlich als homosexuell identifizieren, liegt in den meisten Studien zwischen 2–5 %. Wenn man sexuelle Fluidität und gleichgeschlechtliche Erfahrungen mit einbezieht, können die Zahlen deutlich höher (bis zu 10 % oder mehr) sein.“ |
Was wissen wir über die Bewohner von Sodom?
Die Antwort auf diese Frage von ChatGPT war u.a.:
ChatGPT | „Die Bewohner von Sodom sind vor allem aus biblischen Erzählungen bekannt, insbesondere aus dem Buch Genesis im Alten Testament. Sodom wird oft zusammen mit Gomorra als Symbol für moralische Verderbtheit und Gottlosigkeit betrachtet. Die Stadt soll für ihre unmoralischen Handlungen, insbesondere für Gewalt, Unzucht und mangelnde Gastfreundschaft bekannt gewesen sein.“ |
Zu den von Allah geschaffenen Fakten gehören ebenso wissenschaftliche Forschungsergebnisse.
Die traditionelle Interpretation der Geschichte von Lot und seinem Volk im Qur'ân beruht lediglich auf erfundenen Erzählungen ohne jeden historischen Wert.
Denn es gibt keine belastbaren historischen Belege über das Volk Lots, wo es lebte und wie es lebte, oder etwa welche sexuellen Vorlieben es hatte, so wie es im sogenannten Sodom-Mythos auftaucht.
Historische Belege für Homosexualität bei den Bewohnern von Sodom?
Auf die Frage: „Gibt es historische Belege für Homosexualität bei den Bewohnern von Sodom?“ antwortete ChatGPT:
ChatGPT | „Nein, es gibt keine historischen Belege dafür, dass die Bewohner von Sodom tatsächlich homosexuell waren. Die Geschichte von Sodom und Gomorra stammt aus der Bibel (Genesis 19) und wurde über Jahrhunderte theologisch und kulturell unterschiedlich interpretiert.“ |
Alte, vor-qur'ânische Quellen zu dem Thema
Die ältesten Texte zu Lot und seinem Volk finden wir im Alten Testament. Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5) lautet:
וַיִּקְרְאוּ אֶל־לוֹט וַיֹּאמְרוּ לוֹ אַיֵּה הָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר־בָּאוּ אֵלֶיךָ הַלָּיְלָה? הוֹצִיאֵם אֵלֵינוּ וְנֵדְעָה אֹתָם.
Wörtliche Übersetzung: „Und sie riefen Lot und sagten zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind in dieser Nacht? Bring sie zu uns heraus, dass wir sie erkennen“
Die Vorstellung, dass die Bevölkerung in Lots Stadt homosexuelle Wünsche an Lots Besucher/Gäste richtete, erwies sich als eine sehr phantasievolle, aber falsche Interpretation eines einzigen Wortes in nur einem Vers im 1. Buch Mose (1 Mose 19, 5, = Gen. xix. 5, siehe Derrick Sherwin Bailey, Homosexuality and Western Christian Tradition, 1955, auf Seite 1 - 8). Bailey (1910 - 1984) war ein Anglikanischer Theologe mit überzeugenden und klaren linguistischen und kontextuellen Argumenten. Er erwähnt auch, dass alle Bezugnahmen auf Lots Stadt in den anderen Büchern des Alten Testaments nie von einem sexuellen Fehlverhalten der Menschen in Lots Stadt sprechen.
In der englisch-sprachigen Wikipedia heißt es u.a. über Bailey:
„[...] Anerkannt als führender Experte der Kirche für Sexualethik, ... halfen Baileys Schriften der Church of England, auf die theologische Frage der Homosexualität, auf die Homosexuellen selbst sowie auf die Gesetze Englands zu reagieren. Diese Periode von 1954 bis 1955 im Moral Welfare Council lieferte wichtige konzeptionelle Leitlinien für spätere Diskussionen über Homosexualität, nicht nur in der Church of England, sondern im gesamten Christentum“.
Zu diesem Vers sagt Derrick Sherwin Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition, S. 2:
„Der Vers, der bisher oft als Hinweis auf homosexuelles Ansinnen verstanden wurde, ist 1 Mose, 19, 5:
5 Sie riefen Lot und sagten: 'Wo sind die Männer, die heute abend zu dir gekommen sind? Bringe sie zu uns heraus, damit wir sie erkennen!'
Weiter sagt Derrick Sherwin Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition:
"Die herkömmliche Auffassung von der Sünde Sodoms [...] rührt von der Tatsache her, dass das Wort, das hier mit 'erkennen' (yâdha') übersetzt ist, 'geschlechtlich verkehren' bedeuten kann. Ist das in diesem Passus gemeint?"
Er beantwortet diese Frage folgendermaßen:
"Das [hebräische] Verb yâdha' kommt sehr häufig im Alten Testament vor [in der Fußnote: Nach F. Brown, S. R. Driver und C. A. Briggs, A Hebrew and English Lexikon of the Old Testament (Oxford, 1952), 943 mal], doch mit Ausnahme dieses Textes und seiner unzweifelhaften Ableitung in Richter 19, 22 wird es nur zehnmal (ohne Einschränkung) gebraucht, um Geschlechtsverkehr zu bezeichnen [in der Fußnote: 1 Mose 4, 1, 17, 25; 19, 8; 24, 16; 38, 26; Richter 11, 39; 19, 25; 1 Samuel 1, 19; 1 Könige 1, 4.]. In Verbindung mit mishkâbh, das in diesem Zusammenhang den Vorgang des Liegens bezeichnet, kommt yâdha' an fünf weiteren Stellen vor [in der Fußnote: 4 Mose 31, 17, 18, 35; Richter 21, 11 [...], 12 [...] ]. Auf der anderen Seite findet man shâkhabh (von dem mishkâbh herkommt) etwa fünfzigmal in der Bedeutung 'liegen' im geschlechtlichen Sinne. Während yâdha' sich immer auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr bezieht (wenn man zunächst die kontroversen Stellen 1 Mose 19, 5 und Richter 19, 22 außer Betracht lässt), wird shâkhabh überdies sowohl für homosexuellen Geschlechtsverkehr als auch den mit Tieren verwendet zusätzlich zu dem zwischen Mann und Frau.
So findet man yâdha' also nur ausnahmsweise im geschlechtlichen Sinne gebraucht [...].
Linguistische Betrachtungen allein unterstützen daher [... die Ansicht], dass es hier nichts weiter als ‘kennenlernen’ bedeuten kann. Warum wurde dann aber eine anscheinend vernünftige Forderung auf so heftige Art und Weise vorgebracht? Was für eine Schlechtigkeit war es, die Lot erwartete und von der er die Sodomiter abbringen wollte? [...] Unsere Unkenntnis der lokalen Gegebenheiten und sozialen Verhältnisse lässt uns keine andere Möglichkeit als die Motive zu erraten, die dem Verhalten der Sodomiter zugrunde liegen; da aber yâdha' meistens ‘kennenlernen’ bedeutet, kann die Forderung, die Besucher, die Lot bewirtete, ‘zu erkennen’, gut einen ernsthaften Bruch der Regeln des Gastrechts [wörtlich: hospitality = Gastfreundschaft] eingeschlossen haben. [...]“
Zur Entstehungsgeschichte der Thora:
ChatGPT antwortet auf die Frage: „Wann wurden die Mose-Bücher verfasst?“ ausführlich. Hier einige Ausschnitte:
ChatGPT | „Die Mose-Bücher (auch Tora oder Pentateuch genannt – Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium) werden traditionell Mose zugeschrieben, aber die moderne Bibelwissenschaft sieht ihre Entstehung deutlich komplexer – mit mehreren Quellen, Redaktionen und Jahrhunderten Entwicklungszeit. |
ChatGPT | Moderne wissenschaftliche Sicht (Quellenhypothese / Pentateuchkritik) Kürzel Name Geschätzte Entstehung Merkmale |
Lebensdaten wichtiger Personen im Alten Testament:
ChatGPT | „Die Frage, wann Mose, Lot und Abraham lebten, ist spannend – und komplex, weil wir hier zwischen religiöser Überlieferung und historischer Rekonstruktion unterscheiden müssen. Es gibt keine archäologischen Beweise, die eindeutig belegen, dass diese Personen historisch genau so existiert haben wie beschrieben – aber es gibt zeitliche Einordnungen, die in der Forschung verwendet werden. |
Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5)
ChatGPT | Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5) lautet: |
Die ältesten Texte, die Homosexualität in Genesis 19,5 (1 Mose 19,5) sehen
Die Antwort auf die Frage „Welches sind die ältesten Texte, in denen Genesis 19,5 als Homosexualität verstanden werden?:
ChatGPT | „Die ältesten Texte, in denen Genesis 19,5 (die Geschichte von Sodom) explizit als Verurteilung von Homosexualität interpretiert wird, stammen nicht aus der hebräischen Bibel selbst, sondern aus späteren jüdischen und frühchristlichen Auslegungen. In Genesis 19,5 steht (Aus dem Hebräischen übersetzt): Hier eine chronologische Übersicht der frühesten bekannten Quellen von ChatGPT: 2. Frühchristliche Autoren |
Als kurze Zusammenfassung:
Angenommene Lebenszeit von Lot und Abraham:ca. 2000–1800 v. Chr. | ca. 2000–1800 v. Chr. ca. 20 v. Chr. – 50 n. Chr. | Zeitspanne von Abraham/Lot bis zur endgültigen Redaktion der Thora mindestens 1300 Jahre Zeitspanne von Abraham/Lot bis Philo mindestens 1800 Jahre. |
Ein solches Verständnis des Verses 19:5 (Genesis 19:5) in einem homosexuellen Sinn gab es in den frühen Tagen mindestens 400 (gerechnet ab der endgültigen Redaktion der Thora bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung) oder 1800 Jahre lang nicht (gerechnet ab der angenommenen Lebensspanne von Lot/Abraham bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung), mithin gab es so etwas damals nicht.
Die Qumran-Schriftrollen über Sodom und Lot und sein Volk
Die Antwort auf die Frage: „Was sagen die Qumran-Schriftrollen über Sodom und Lot und sein Volk?“ :
ChatGPT | Die Qumran-Schriftrollen (auch „Dead Sea Scrolls“ genannt) enthalten eine Vielzahl von Texten, die im Zusammenhang mit der hebräischen Bibel stehen, sowie viele Schriften aus dem Judentum der Zweiten Tempelzeit (ca. 200 v. Chr. – 70 n. Chr.). Einige dieser Texte beziehen sich auch auf die Erzählung von Sodom und Gomorra und Lot, wie sie aus dem Buch Genesis (Kap. 18–19) bekannt ist. In Qumran wird die Geschichte oft neu interpretiert oder moralisch ausgeschmückt.
Die berühmte Geschichte mit den zwei Engeln in Genesis 19 wird dabei selten explizit als Anklage wegen homosexueller Praktiken verstanden. Vielmehr betonen Qumran-Texte – wie auch manche prophetischen Schriften – soziales Unrecht und Gottesverachtung als Ursache für das Gericht über Sodom.
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Der Sodom-Mythos
Gibt es einen Sodom-Mythos?
Die Antwort auf die Frage "Gibt es einen Sodom-Mythos und was besagt er?“:
ChatGPT | „Ja, es gibt einen sogenannten Sodom-Mythos, der besonders in den abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) eine wichtige Rolle spielt. Er bezieht sich auf die biblische Geschichte von Sodom und Gomorra, die unter anderem in der Tora, der Bibel (Genesis 18–19) und auch in islamischen Überlieferungen im Qur'ân (z. B. Sure 11:77–83, Sure 29:28–35) erzählt wird. […]. Viele konservative religiöse Auslegungen sahen in der Geschichte eine Verurteilung von Homosexualität, da die Männer von Sodom Sex mit den männlichen Gästen wollten. Diese Interpretation hat stark zur Homophobie in religiösen Kontexten beigetragen. […] Moderne jüdische, christliche und muslimische Theologinnen, sowie viele Queer-Theologinnen, interpretieren den Mythos anders: |
Was ist ein Mythos?
Unter einem Mythos versteht ChatGPT:
ChatGPT | „Ein Mythos ist mehr als nur eine „alte Geschichte“ – es ist ein sinnstiftendes Narrativ, das versucht, grundlegende Fragen des Lebens, der Welt und des Menschseins zu beantworten.“ „Ein Mythos ist eine symbolische Erzählung, die auf tiefere Wahrheiten über Mensch, Welt, Gott und Gesellschaft zielt – oft unabhängig davon, ob sie historisch „wahr“ ist.“ |
Unter einem Mythos wird hier daher etwas verstanden wie eine Fabel, Fantasie-Geschichte, Legende, ein Märchen, eine Sage oder Überlieferung ohne nachprüfbaren Hintergrund, aber kein Faktum, kein tatsächliches historisches Ereignis.
Und unter dem Sodom-Mythos wird hier daher die unter Christen und Muslimen gängige Vermutung verstanden, dass Lot bei einem Volk lebte, in dem die Männer durchweg homosexuell gewesen seien, eine Annahme, die unter Berücksichtigung von Evolution und Biologie absurd ist. Diese Situation könnte daher nur durch ein „Wunder“ entstanden sein, ein Begriff, den der Qur’ân nicht kennt. Und ein „Wunder“ könnte ja nur von Allah veranlasst worden sein, und damit wären die Männer für ihr Verhalten nicht verantwortlich.
Bevor wir jedoch voreilig eine Passage im Qur'ân als die Beschreibung eines „Wunders“ im Sinne von etwas Übernatürlichem, außerhalb von Naturgesetzen und von natürlichen Abläufen Stehendes, deuten, sollten wir uns zunächst bewusst machen, dass der Qur'ân eine klare Aussage macht über Allahs Wirken in Seiner Schöpfung. Es heißt in (35:43) u.a.
فَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّهِ تَبْدِيلًا ۖ وَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّهِ تَحْوِيلًا
„Und du wirst in Allahs Vorgehensweise (arab.: fî sunnati`llâhi) keine Änderung finden, und du wirst in Allahs Vorgehensweise keinen Wechsel finden.“
Ebenso (30:30):
فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا ۚ فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا ۚ لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ۚ ذَٰلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَٰكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ
So richte dein Gesicht aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, - (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen erschaffen hat. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht.
Weitere ähnliche Passagen hierzu im Qur'ân sind: (17:77), (33:38), (33:62), (40:85) und (48:23).
Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos
Wie sie in alten Sammlungen sichtbar wird, zeigt das Buch "Islam und Homosexualität im Qur’ân und der Hadîth-Literatur, Teil 2 mit dem Untertitel: Hadîth-Literatur, Die Überlieferungen“ auf rund 340 Seiten.
Ein Beispiel: Die aus dem Namen Lot, arabisch lûT, neu gebildeten Wörter lûTî (wörtl.: Anhänger Lots) und lûTiyya (wörtl.: die Tat, die Vorstellungen von Lot) als Bezeichnung für einen Homosexuellen bzw. Homosexualität setzten sich mit dieser verdrehten Bedeutung erst gegen Ende des 1./Anfang des 2. Jahrhunderts muslimischer Zeitrechnung als Gelehrtenmeinung durch und zeigten sich in den Überlieferungen, die in der Regel nicht auf den Propheten zurückgeführt wurden, sondern aus der christlichen patristischen Theologie stammten.
Die ältesten bekannten Fälle homosexueller Lebensweise
Wie ist es möglich, dass - wie muslimische Sodom-Mythos-Anhänger oft annehmen - der männliche Teil der Bevölkerung homosexuell gewesen sei? Homosexualität ist nach allem, was wir wissen, keine Krankheit. Die Antwort darauf ist für Muslime, die der traditionellen Interpretation folgen, besonders schwierig: Sie gehen gemäß ihrem Qur’ân-Verständnisses oft davon aus, dass es vor Lot keine Homosexualität gegeben habe. Doch es gibt historische Belege, Texte, über Menschen vor Lot, die homosexuelle Beziehungen mit einander hatten (Encyclopedia of Homosexuality, Stichwort “Egypt, Ancient”). Mit anderen Worten: Auch diese Offenbarung Allahs spricht vor dem Hintergrund der historischen Belege gegen eine sexuelle Deutung.
Auch ChatGPT beantwortete die Frage: „Die ältesten Fälle homosexueller Lebensweise?“ mit Bezug auf Ägypten:
ChatGPT | „Die ältesten bekannten Fälle homosexueller Lebensweise reichen tief in die Geschichte zurück – lange vor der Moderne oder gar dem Mittelalter. Es gibt archäologische, literarische und künstlerische Hinweise auf gleichgeschlechtliche Beziehungen in vielen Kulturen weltweit. Hier ein paar bemerkenswerte Beispiele: und: „Fazit: Homosexuelle Lebensweisen sind kein modernes Phänomen, sondern historisch weit verbreitet und vielfältig gewesen. In vielen Kulturen galten sie je nach Kontext als spirituell, normal oder zumindest toleriert – oft bevor spätere Gesellschaften durch koloniale oder religiöse Dogmen repressiver wurden.“ |
Wie könnte Homosexualität in Sodom entstanden sein? Über veränderte Erbeigenschaften bei einem Individuum, vielleicht sogar eine dominante? Es würde selbst dann eine Unzahl Generationen dauern, bis sie sich durchgesetzt hätte, zumal zudem homosexuelle Männer andere Männer als Geschlechtspartner vorziehen, so dass eine Weitergabe dieser Eigenschaft sehr spärlich sein würde. Und woher kamen die Frauen, von denen der Qur’ân spricht? Und wie konnte die Bevölkerung eine Stadt füllen - sie müsste eigentlich allmählich ausgestorben sein? Und Homosexualität müsste zudem mit der Vernichtung dieser Stadt beendet sein.
ChatGPT | Auf die Frage „Gibt es ein Gen für sexuelle Disposition?“ antwortete ChatGPT: „Fazit: Die sexuelle Orientierung hat eine genetische Komponente, aber sie wird nicht von einem einzelnen Gen gesteuert. Vielmehr ist sie das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen Genetik, Hormonen und Umweltfaktoren. Es gibt also kein „Schwulen-Gen“, sondern eher ein biologisches Spektrum, das durch viele verschiedene Einflüsse geprägt wird.“ |
Da es „kein einzelnes „Gen für Homosexualität“ oder für eine bestimmte sexuelle Orientierung“ gibt, es gibt ebenso kein Gen für Heterosexualität oder jede andere sexuelle Disposition.
Über die Lage oder Überreste der Stadt Sodom gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Im Archäologisches Bibel-Lexikon von 1991, Hrsg. Avraham Negev, S. 412, heißt es dazu:
„Die Versuche S. [= Sodom] zu lokalisieren, blieben also bislang ohne Erfolg. Es wurde am Süd- oder Nordende des Toten Meeres vermutet und sogar auf seinem Boden. Der Name „S.“ [= Sodom] hat sich in dem arabischen Gebel Usdum, einem Bergrücken aus Salz nahe dem Südwestufer des Toten Meeres erhalten.“
Mit anderen Worten: Wir wissen nichts über die Stadt, und da selbst ihre Lage unbekannt ist, gibt es auch keine Schriftzeugnisse oder sonstigen Funde, die über das soziale Leben Auskunft geben könnten. Was über sie und ihre Bewohner später erzählt wird, ist damit nichts als bloße Spekulation, willkürliches Phantasiegebilde.
Es gibt keine historisch verlässlichen Zeugnisse über Lot und sein Volk und das, was in ihrer Stadt geschah und was sein Volk wirklich tat. Es gibt nur eine Erwähnung im Alten Testament der Bibel, wo ein einziges Wort in einem der Bücher Mose zu einer verbreiteten Fehlinterpretation führte (die Quelle für bestimmte mawâlî-(موالي) –Überlieferungen).
Religiöse Verbote von Homosexualität?
Das Alte Testament
Es gibt 2 Stellen im AT: 3 Mose 18, 22-23 und 3 Mose 20, 13, die oft als Verbot von homosexuellem Verhalten verstanden werden.:
3 Mose 18, 22,:
וְאֶת־זָכָר לֹא תִשְׁכַּב מִשְׁכְּבֵי אִשָּׁה תוֹעֵבָה הִוא
Und du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau. es ist eine Abscheulichkeit.
3 Mose 20, 13:
וְאִישׁ אֲשֶׁר יִשְׁכַּב אֶת־זָכָר מִשְׁכְּבֵי אִשָּׁה תּוֹעֵבָה עָשׂוּ שְׁנֵיהֶם מוֹת יוּמָתוּ דְּמֵיהֶם בָּם
Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie bei einer Frau, werden beide sterben; Ihr Blut soll auf ihnen liegen.
Es sicherlich nicht unwichtig, wer diese Verse liest. Jemand mit einem gewissen homophoben Hintergrund wird überzeugt sein, dass sie homosexuellen Verkehr verbieten, und er wird nicht weiter über den Wortlaut nachdenken.
In beiden Passagen wird – so wie ich sie auf Grund der deutschen Übersetzung verstehe - von einem Mann gesprochen, der bei einem Mann liegt, wie bei einer Frau, mit anderen Worten: Damit kann vom Wortlaut hier kaum ein Homosexueller gemeint sein.“
Das Neue Testament
In den 4 (kanonischen) Evangelien äußerte sich Jesus nicht zur Homosexualität und kennt als Sünde Sodoms allein die Missachtung des Gastrechts (Matthäus 10, 11 - 15, Matthäus 11, 23 – 24, Lukas 10, 10 - 12).
Dieser Befund deutet darauf, dass der Sodom-Mythos wie auch die Verbindung von Homophobie mit der Religion zur Zeit der Entstehung der Evangelien keine allgemeine Verbreitung fand, er auch nicht Teil der Lehre von Jesus war, sondern auf andere religiöse Strömungen zurückging, die dann ihren Weg über die mawâlî zu den Muslimen fanden und auch in andere Schriften des Neuen Testaments, jedenfalls nicht auf jene, auf deren Umfeld die Texte der Evangelien beruhen.
Unter dem Stichwort 'Gastfreundschaft' führt Reclams Bibellexikon, Seite 154 f., über die Bedeutung des Gastrecht in der Zeit des Alten Testaments Folgendes an:
"[...] Der Reisende war in der Antike vielfach auf die G. [Gastfreundschaft] angewiesen, die ihm unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung bot. Sie zu verweigern galt als Schande [...], sie zu verletzen als Frevel [...]."
Zusammenfassung
Auch der Rückgriff auf die übliche Interpretation von Lot und seinem Volk im Qur'ân macht keinen Sinn, weil diese im Sodom-Mythus behauptete Form und Ausprägung von Homosexualität historisch nicht nachweisbar ist.
Was es jedoch gibt, sind von Generation zu Generation weitergegebene erfundene Geschichten, die später willkürlich mit dem Qur'ân-Text verknüpft wurden. Es sind erdachte, d.h. unwahre Geschichten, Lügen. Und die Tatsache, dass sie jahrhundertelang wiederholt wurden, macht sie nicht zur Wahrheit.
Diese Geschichten entstanden viele Jahrhunderte nach Lot auf Grund eines einzigen missverstandenen Wortes in einem der Mose-Bücher des Alten Testaments.
Und erst in der christlichen patristischen Theologie in der Zeit von ca. 100 n. Chr. bis 750 n. Chr. zeigte sie sich unübersehbar im Sodom-Mythos. Da die Zeit für die endgültige Redaktion der Thora vermutlich das babylonische Exil oder kurz danach (6.–5. Jh. v. Chr.). war, gab es etwa 4 – 5 Jahrhunderte – soweit man es wissen kann – keinen Sodom-Mythos.
Die Aussage des Qur'âns
Zunächst: Es gibt keinen Vers im Qur'ân, auch gibt es keinen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ ṣaḥîḥ – حديث صحيح), der Homosexuelle verurteilt oder ihre Lebensweise verbietet, es gibt daher auch keinen Vers über eine Bestrafung von Homosexualität.
Erlaubt (ḥalâl) und verboten (ḥarâm) im Qur'ân
Der Qur'ân untersagt zudem, etwas aus bloßer Willkür als erlaubt (ḥalâl) oder verboten (ḥarâm) zu erklären (16:116):
وَلَا تَقُولُوا لِمَا تَصِفُ أَلْسِنَتُكُمُ الْكَذِبَ هَٰذَا حَلَالٌ وَهَٰذَا حَرَامٌ لِتَفْتَرُوا عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ ۚ إِنَّ الَّذِينَ يَفْتَرُونَ عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ لَا يُفْلِحُونَ
„Und sagt nicht von dem, was eure Zungen als Lüge behaupten: "Das ist erlaubt (ḥalâl), und das ist verboten (ḥarâm)", um gegen Allah eine Lüge zu ersinnen. Gewiss, denjenigen, die gegen Allah eine Lüge ersinnen, wird es nicht wohl ergehen.“
Die Textstellen über Lot und sein Volk
Zunächst eine kurze Zusammenfassung des qur'ânischen Berichts:
Lot und seinen Anhängern wurde in der Stadt als Fremde das Gastrecht gewährt, so dass sie dort im Schutz, aber unter einschränkenden Bedingungen leben konnte. Als Lot aber weitere Fremde bei sich als Gäste aufnahm, kam es zum Eklat.
Unter dem Stichwort 'Gastfreundschaft' führt Reclams Bibellexikon, Seite 154 f., über die Bedeutung des Gastrechts in der Zeit des Alten Testaments Folgendes an:
"[...] Der Reisende war in der Antike vielfach auf die G. [Gastfreundschaft] angewiesen, die ihm unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung bot. Sie zu verweigern galt als Schande [...], sie zu verletzen als Frevel [...]."
Die Bewohner der Stadt bilden offenbar eine Gemeinschaft, die nicht tolerieren kann, dass es Widerstand gegen bestimmte Aspekte ihrer Lebensform gibt, so dass Lot mit seinen Anhängern nur die Möglichkeit bleibt, in einem Haus zusammenzuleben, wenn sie sich davon fernhalten wollen. Zur Aufrechterhaltung ihrer besonderen sozialen und/oder kultischen Verhältnisse beschuldigen die Leute Lot der Lüge.
Lots Wirken offenbart die unduldsame Haltung der Bevölkerung und führt dazu, dass die Leute einander anstacheln, ihn aus der Stadt zu vertreiben. Niemand will zunächst dafür die Verantwortung übernehmen, da der Anlass anscheinend nicht ausreichend für eine solche Maßnahme ist. Doch wird ihm - wohl um für die Zukunft nicht ohne formale Handhabe ihm gegenüber zu sein - jede weitere Aktivität unter Androhung der Vertreibung untersagt. Außerdem darf er keinen Kontakt zu Außenstehenden aufnehmen. Damit soll offensichtlich verhindert werden, dass er Unterstützung und Schutz außerhalb der Stadt sucht.
Als Folge dieser Maßnahmen macht sich jeder Fremde verdächtig, der sich an ihn wendet oder gar als Gast zu ihm kommt. Diese Situation legt Lot äußerste Umsicht und Vorsicht im Umgang mit Fremden auf; denn jeder Besucher kann seine Lage unhaltbar machen.
Er befindet sich in einer schier ausweglosen Lage: Verhält er sich ruhig entsprechend den Auflagen der Stadt, so wird er seiner Aufgabe als Gesandter Gottes nicht gerecht, die Menschen zum rechten Weg aufzurufen. Setzt er hingegen seine Arbeit offen fort, so gefährdet er seine Sicherheit und die seiner Anhänger; und wird er infolgedessen vertrieben, so kann er ebenfalls seine Aufgabe bei diesen Menschen nicht mehr erfüllen.
Unter diesen schwierigen Gegebenheiten kommen die Gesandten zu ihm. Er kann und will ihnen das ihnen zustehende Gastrecht nicht vorenthalten, und Lot gewährt seinen Besuchern seinerseits das Gastrecht und nimmt sie auf. Ihm sind die Folgen bewusst, sagt dies auch seinen Gästen und erklärt ihnen seine Hilflosigkeit in dieser gefährdeten Lage.
Im Qur’ân wird die prekäre Lage Lots deutlicher. Ihm wurden von den Bewohnern der Stadt Außenkontakte verboten (15: 70). Als er dennoch Fremden durch sein Gastrecht Schutz gewährt (15: 68) spitzt sich die Lage zu. Die Stadtbewohner drängten ihn, es ihnen wieder zu entziehen (54: 37):
وَلَقَدْ رَاوَدُوهُ عَن ضَيْفِهِ فَطَمَسْنَا أَعْيُنَهُمْ فَذُوقُوا عَذَابِي وَنُذُرِ
Und sie versuchten, ihn von seinen Gästen abzuhalten. Daher blendeten Wir ihre Augen. "Kostet nun Meine Strafe und Meine Warnung."
Froh über diesen 'Verstoß' gegen ihre Auflagen kommen die Bewohner der Stadt zu ihm geeilt und wollen ihre Absichten ihm gegenüber verwirklichen. Zunächst suchen sie Lot zu veranlassen, sich von seinen Gästen abzuwenden und ihnen dadurch das Gastrecht zu entziehen, und wollen ihn auf diese Weise bloßstellen und in Schande stürzen. Denn gibt Lot nach, so setzt er sich vor seinen Gästen ins Unrecht, straft vor allen Leuten seinen Anspruch Lügen, ein zuverlässiger, vertrauenswürdiger Gesandter zu sein, und bestätigt damit den Vorwurf, ein Lügner gegenüber seiner Mission zu sein. Weigert er sich, muss er mit den angekündigten Gegenmaßnahmen rechnen. In dieser ausweglosen Situation versucht er, die Leute zum Einlenken zu bewegen, zumindestens die Vernünftigen unter ihnen, verweist auf seine Töchter und bietet sie als Garanten/Bürgen für sein und seiner Gäste Wohlverhalten an. Doch die Leute sind blind und trunken angesichts dieser günstigen Gelegenheit, sich seiner zu entledigen. Sie sehen nur die formalen Aspekte von Lots Verstoß, nicht aber die Unrechtmäßigkeit ihres eigenen Verhaltens. Sie lehnen folglich seinen Vorschlag ab und verweisen darauf, dass sie keinen Anlass sehen, aus seinem Verstoß gegen ihr Verbot ein Recht auf seine Töchter abzuleiten.
Die Gesandten hingegen versichern Lot, dass die Bewohner der Stadt ihn mit ihren Absichten nicht erreichen werden, sondern er sich zuvor von sich aus mit den Seinen aus der Stadt entfernen soll. Dann wird sie mit allen verbliebenen Bewohnern vernichtet.
Beziehen sich die Verse von Lot und seinem Volk auf Homosexualität?
Für einen Muslim darf und kann Basis für eine Antwort nur der Wortlaut des Qur’âns sein. Und es stellte sich die Frage, ob und inwieweit diese Sodom-Legende, die ja schon früh in Qur’ân-Kommentare gelangt ist, mit dem Wortlaut des Qur’âns zu vereinbaren ist. Eine entsprechende Analyse ergab für mich ein vergleichbares Bild. Im Qur’ân heißt es an einer Stelle (die angepasst an die gängige Deutung oft ungenau übersetzt wird), dass Lot zu seinem Volk (allen Männer und Frauen im Volk) sprach und es mit den Worten tadelte (sûra 7: Vers 81, 27: 55):
„Ihr kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt (oder: nicht auch) zu den Frauen“.
Lot versteht sich als „zuverlässiger Gesandter“ (rasûl amîn, 26: 162), so dass das, was er sagt, nicht im Sinne von ‚Stammtischparolen’ verstanden werden darf, indem er z.B. alle anklagt für ein Vergehen weniger unter ihnen.
Da der Ausdruck ‚Volk’, zu dem er spricht, in der Regel im Qur’ân alle Männer und Frauen umfasst, kann der Wahrheitsgehalt einer Interpretation als ausgeübte Homosexualität leicht überprüft werden, indem man das Wort ‚ihr’ (= das angesprochene Volk) durch die Bestandteile des Volkes (= Frauen bzw. Männer) ergänzt:
„Ihr Frauen kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt zu den Frauen“
(hiermit würde Lot - im Sinne einer Interpretation mit sexuellem Hintergrund - bei den Frauen heterosexuelles Verhalten tadeln),
„Ihr Männer kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt zu den Frauen“.
Da immer nur eine Minderheit unter Männern einer Population zu homosexuellen Beziehungen in der Lage ist, würde Lot damit auch die Mehrheit der heterosexuellen Männer ungerechtfertigterweise in seinen Tadel einbeziehen.
Die Anwendung eines Minimums an Logik sowie das Festhalten am bloßen Wortlaut des Qur’âns (Lot sagt ja nicht: „Ein Teil von euch Männern tut das“) zeigt, dass das übliche Interpretationsmuster einfach nicht dem arabischen Text entspricht, sondern ihm ziemlich gewaltsam übergestülpt wurde.
Das gilt sowohl für die Textstellen 7: 80, 81 und 27: 56, 57, wo als Beweggrund dafür, dass das Volk „zu den Männern kommt“, šahwatan = bei einem Begehren genannt wird. Anders als in den Versen 26: 165, 166 und 29: 28, 29, wo dieses Wort nicht erwähnt wird.
Zudem gibt es an zwei Stellen die Ergänzung (7: 80, 29: 28):
„Eine Abscheulichkeit, wie sie kein Geschöpf auf der Welt vor euch je begangen hat.“
Homosexuelles Verhalten gab es nachweislich vor der Zeit von Lot, so dass es in diesen Versen nicht gemeint sein kann (und ebenso ist es schöpfungsinhärent). Das Abstoßende muss daher etwas sein, wozu gleichermaßen die Frauen und Männer in der Lage sind, wenn sie ‚zu den Männern bei einem Begehren kommen anstatt (auch) zu den Frauen’.
Die Textstellen über Lot und sein Volk im Qur'ân:
Die Textstellen über Lot und sein Volk, seine Leute, in deren Stadt er mit seinen Anhängern und Verwandten unter eingeschränkten Rechten des Gastrechts lebte:
(6:86), (11:77-83), (15:57-77), (21:74,75), (26:160-175), (27:54-58), (29:26, 28-30, 33-35), (37:133-138), (51:31-37), (54:33-39), (66:10).
Bei den 4 Textstellen (7:80, 81; 27:54, 55; 26:161, 162; 29:28, 29), in denen Lot sein Vok tadelt, heißt es ausdrücklich:
وَلُوطًا إِذْ قَالَ لِقَوْمِهِ
„Und (Wir sandten) Lot, als er zu seinem Volk (sein Volk, seine Leute, dazu gehören alle Männer und Frauen) sagte:“
Ob Lots Worte in seinem Tadel (7:81, 27:56) „Kommt ihr zu den Männern anstatt/und nicht zu den Frauen bei einem Begehren (arabisch: شهوة - šawatan)“ eine sexuelle Bedeutung haben, kann man sehr leicht durch Anwendung einfacher Logik prüfen: Sein Tadel richtet sich an القوم (al-qaum), das Volk, die Leute (d.h alle Männer und Frauen). Wenn seine Worte auf beide Gruppen im sexuellen Sinne anwendbar sind, könnten sie eine sexuelle Bedeutung haben, wenn nicht, müssen wir diese Bedeutung ausschließen.
Angewendet auf die Frauen: Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass das beabsichtigte Ergebnis seines Tadels “kommt ihr zu den Männern anstatt zu/neben den Frauen” ist, dass Lot wollte, dass die Frauen sich lesbisch verhalten? Warum sollte er das tun?
Eine dem Wortlaut des Qur'âns nähere Interpretation basiert darauf, dass die Männer im Volk eine bevorzugte Stellung in der sozialen Ordnung und im Rechtssytem hatten, was offenbar auch von den Frauen (mehr oder weniger freiwillig) akzeptiert wurde. So haben die Verse, die überwiegend in einer Weise verstanden werden, dass Männer zu anderen Männern wegen sexueller Anliegen kommen, die Bedeutung, dass sie zu ihnen kommen, um ihre materiellen Anliegen und Erwartungen voranzubringen, weil das auch nur durch privilegierte Männer erfolgen kann, ihnen eine Frau dabei also wegen ihrer sozialen und rechtlichen Minderstellung nicht helfen kann. Und Lot tadelt sie, die Männer und Frauen, dafür und zielt dabei auf Änderung dieser Zustände.
Dafür spricht ebenfalls der Vorgang, bei dem Lot dem Volk, den Männern und Frauen, seine Töchter als Garanten/Bürgen anbot, als die Leute (15:67-72) empört zu ihm kamen, weil er Fremden, nun seine Gäste, das ihnen zustehende Gastrecht gewährte.
وَجَاءَ أَهْلُ الْمَدِينَةِ يَسْتَبْشِرُونَ
قَالَ إِنَّ هَٰؤُلَاءِ ضَيْفِي فَلَا تَفْضَحُونِ
وَاتَّقُوا اللَّهَ وَلَا تُخْزُونِ
قَالُوا أَوَلَمْ نَنْهَكَ عَنِ الْعَالَمِينَ
قَالَ هَٰؤُلَاءِ بَنَاتِي إِن كُنتُمْ فَاعِلِينَ
لَعَمْرُكَ إِنَّهُمْ لَفِي سَكْرَتِهِمْ يَعْمَهُونَ
Und die Bewohner der Stadt kamen voller Freude.
Er sagte: "Das sind meine Gäste, so stellt mich nicht bloß.
Und fürchtet Allah und stürzt mich nicht in Schande."
Sie sagten: "Haben wir dir nicht die Weltenbewohner verboten (als Gäste aufzunehmen)?
Er sagte: "Hier sind meine Töchter, wenn ihr etwas tun wollt."
Bei deinem Leben, sie irrten wahrlich in ihrer Trunkenheit umher.
Er tat das sicherlich nicht, um ihnen seine Töchter für irgendwelche sexuellen Misshandlungen auszuliefern, sondern um dem Volk damit zu gewährleisten, dass weder er noch seine Gäste irgendwelche illegalen Pläne verfolgen und ihm zu zeigen, dass Frauen auch als Garanten/Bürgen den Männern gleichgestellt sind.
In seinem Qur'ân-Kommentar (ابو جعفر ابن جرير الطبري: جامع البيان جامع البيان - abû ǧaʿfar ibn ǧarîr aṭ-ṭabarî: ǧâmiʿu-l-bayân) führt aṭ-ṭabarî (224 - 310 AH) eine Überlieferung an, die die hier vertretene Ansicht, dass seine Töchter Garanten, Bürgen sind. Es heißt bei ihm: Er sagte: 'O mein Volk, dies hier sind meine Töchter. Sie sind reiner für euch (sûra hûd, sûra 11:78), also werde ich mit ihnen für meine Gäste vor euch bürgen (فأنا أَفْدِي ضَيْفي منكم بهنَّ) - (fa-anâ afdî ḍayfî min-kum bi-hinna)', und er forderte sie nur zu dem Erlaubten hinsichtlich der Ehe auf.“ Aber dieser Kommentar steht bei ihm sehr allein (aus dem Buch „Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur, Teil 4, Untertitel: tafsîr-Geschichte, der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“, S. 123).
Es gab also laut diesem Kommentar auch die Idee, dass Lot seine Töchter als Bürgen, Garanten für (das Wohlverhalten) seiner Gäste anbot: fadâ, yafdî = sich verbürgen, bürgen. Aber sie hat nie das Bild ersetzt, dass Lot seine Töchter dem Volk aus sexuellen Gründen angeboten habe. So stützte eine Fehlvorstellung die andere.
Die Behauptung, Lot habe zwei Töchter, ist in in vielen Kommentaren zu finden:
Der Qur'ân bezieht sich auf die Töchter Lots im Plural, nicht im Dual. Das Alte Testament dagegen spricht von zwei Töchtern (1 Mose 19,8, 19,16 und 19,30). Und bei aṭ-ṭabarî werden sogar angebliche Namen der beiden aufgeführt.
Auch verweist die Antwort der Leute (11:79), als Lot ihnen seine Töchter anbietet, auf etwas anderes als in der traditionellen Interpretation behauptet, sie sagen
قَالُوا لَقَدْ عَلِمْتَ مَا لَنَا فِي بَنَاتِكَ مِنْ حَقٍّ وَإِنَّكَ لَتَعْلَمُ مَا نُرِيدُ
: "Du weißt doch, dass wir kein Recht [= mâ la-nâ fî banâti-ka min ḥaqq, nicht: sexuelles Interesse] in Bezug auf deine Töchter haben, und du weißt auch, was wir wollen."
Die Meinung, dass nur die Männer gemeint seien, die Lot anspricht, und dass diese sexuelle Absichten gegenüber anderen Männern hätten, geht auf den sogenannten Sodom-Mythos zurück, phantasievollen erfundenen Geschichten, für die als einziger Beleg ein einziges missverstandenes hebräisches Wort im Alten Testament benutzt wird.
Die traditionelle Interpretation widerspricht auch der bestehenden Tatsache, dass nur eine Minderheit einer Population homosexuell ist, nicht ein ganzes „Volk“.
Die Idee, dass der Qur'ân Lots Volk der Homosexualität beschuldigt, stammt aus vormuslimischer Zeit und wurde durch die mawâli (Plural von maulâ) weitergegeben, Muslime, die früher Christen oder Juden waren und bald die Mehrheit der Muslime bildeten, und so in Qur'ân-Kommentare und als erfundene ḥadîṯe zu den Muslimen gelangte.
Aus ISLAM UND HOMOSEXUALITÄT, im Qur’ân und der Hadîth-Literatur, Teil 4, „tafsîr-Geschichte, Der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“, S. 25:
„Viele dieser mawâlî sind in Bezug auf ihre Überlieferungen umstritten. Aber unabhängig davon beeindruckten sie ihre muslimischen Umwelt mit ihrem „Wissen“, das sie in ihrer früheren Zeit vor ihrer Konvertierung erwarben und das für sie Grundlage vieler ihrer Deutungen ist. Nachdem sich der muslimische Einfluss über Syrien und den Irak ausgebreitet hatte, nahmen zahlreiche der dort lebenden Menschen den Islam an. In diesen Ländern gab es die christlichen Kirchen und Gruppen von Juden. Neben einfachen Gäubigen gab es in der organisierten Kirche u.a. Gemeindeverantwortliche, Priester, Bischöfe, Mönche, Lehrer und andere, die einerseits eine religiöse Unterweisung erhielten und die andererseits, wenn sie ihre Religion wechselten, ihren alten Job und damit ihre Einkünfte verloren. Anders als die Mehrheit der arabischen Muslime genossen einige zuvor eine intensive religiöse Ausbildung und brachten ihr bisheriges Weltbild, diese Glaubenssätze, Überzeugungen mit sich. Wenn sie zum Islam übertraten, schlossen sie sich damals einem der arabischen Stämme als sog. mawâlî (Singular: maulâ) = Klienten an. Und durch ihr altes Wissen waren sie für viele der weniger gebildeten arabischen Muslime bald gefragte Quellen, die das, was sie bei ihnen erfuhren, oftmals kritiklos übernahmen.“
Ein maulâ zu sein, ist an sich kein negativer Tatbestand oder ein grundsätzlicher Makel. Denn sie brachten Kenntnisse und Fähigkeiten mit, die sie in ihre neue Religion einbringen konnten, wenn sich - wie sich in der Untersuchung der Qur'ân-Kommentare zeigte -, die Autoren an den Wortlaut des Qur'âns halten und keine phantasievollen Ergänzungen versuchen. Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn spätere muslimische Gelehrte ihnen „Anleihen bei den ahlu`l-kitāb (Christen und Juden) vorwarfen“ oder „Rückgriff auf christliche und jüdische Quellen“, worin sich erkennbar ein starker Vorbehalt ausdrückt.
Muhammad Asad (The Message of the Qur'ân) vertritt die Ansicht, Homosexualität sei verboten und schreibt im Kommentar 50 zu (27:54) auf S 583: „So betonen Zamakhsharî [abū al-qāsim maḥmūd ibn ʿumar al-zamaẖšarī, ca. 1074–1144 (11./12. Jh.)] und Razî [faẖr ad-dīn muḥammad ibn ʿumar ar-rāzī, ca. 1149–1209 (12./13. Jh.)] den Grundsatz, dass eine Revolte gegen die von Gott gewollte Natur der Heterosexualität eine Revolte gegen Gott selbst sei.
Muhammad Asad beruft sich ganz klar nicht auf eine Aussage des Qur'âns, sondern auf eine Behauptung von muslimischen Autoren, und er übersieht, dass Homosexualität auch zu der "von Gott gewollten Natur" gehört. Diese darin geäußerte Ansicht lässt sich jedoch mit keinem Wort im Qur'ân belegen und hat daher einen ganz anderen ideengeschichtlichen Hintergrund.
Die Fakten der Schöpfung Allahs, zu denen homosexuelle Lebewesen gehören, sprechen zudem gegen diesen Standpunkt. Homosexuelle Menschen wenden sich mit ihrer Disposition nicht gegen Allah, sondern möchten lediglich ein ihrer Natur entsprechendes Leben führen.
Ebenso verfolgt er seine Erkenntnisse nicht zur Überprüfung des übrigen Qur'ân-Textes, wenn er in The Message of the Qur'ân, S.519, Kommentar 3, schreibt.: „Wörtl. „oder mit denen, die ihre rechten Hände besitzen (au mâ malakat aymânu-hum)“. Die meisten Kommentatoren nehmen an, ohne es zu hinterfragen, dass sich das auf weibliche Sklaven beziehe und die Partikel au („oder“) eine zulässige Alternative bezeichne. Diese herkömmliche Auslegung ist meiner Ansicht nach insofern ungültig, als sie auf der Annahme basiert, dass Geschlechtsverkehr mit der eigenen Sklavin ohne Heirat zulässig sei:“ Er fährt fort: „Da der Koran den Begriff „Gläubige“ in gleicher Weise auf Männer und Frauen anwendet und da der Begriff azwâǧ („Ehepartner“) sich ebenfalls sowohl auf die männlichen als auch auf die weiblichen Partner in der Ehe bezieht, gibt es keinen Grund, der Phrase mâ malakat aymânuhum die Bedeutung „ihre Sklavinnen“ zuzuschreiben; und da es andererseits ausgeschlossen ist, dass hier weibliche und männliche Sklaven gemeint sein könnten, ist es offensichtlich, dass sich dieser Ausdruck überhaupt nicht auf Sklaven bezieht, sondern dieselbe Bedeutung hat wie in 4:24 - nämlich "diejenigen, die ihnen durch die Ehe rechtmäßig gehören" (siehe Anmerkung 26 zu 4:24) - mit dem bedeutenden Unterschied, dass sich dieser Ausdruck im vorliegenden Kontext sowohl auf Ehemänner als auch auf Ehefrauen bezieht, die einander kraft der Ehe "rechtmäßig besitzen". [...]".
Es gibt weder im Qur'ân noch in der Schöpfung eine Beschränkung auf eine „von Gott gewollte Natur der Heterosexualität°. Und Muhammad Asad betont gleichfalls, die Regel der arabischen Sprache, dass der männliche Plural verwendet wird, um beide Geschlechter anzusprechen, wenn er schreibt, dass „der Qur'ân den Begriff „Gläubige“ in gleicher Weise auf Männer und Frauen anwendet und da der Begriff azwâǧ („Ehepartner“) sich ebenfalls sowohl auf die männlichen als auch auf die weiblichen Partner in der Ehe bezieht, gibt es keinen Grund, der Phrase mâ malakat aymânu-hum die Bedeutung „ihre Sklavinnen“ zuzuschreiben“.
Muhammad Asad liefert damit weiteres Material, das bestätigt, was unter „Der Vers (30:21) über zwischenmenschliche Partnerschaften“ festgestellt wurde. Aber er vermeidet entsprechende, ihnen innewohnende Schlussfolgerungen, sodass er eine nicht-qur'ânische, auf heterosexuelle Einschränkung beruhende Sicht akzeptiert und über Homosexualität behauptet, sie „eine Revolte gegen die von Gott gewollte Natur der Heterosexualität“ und „eine Revolte gegen Gott Selbst“
Hinweis zu dem Wort شهوة – šahwa
Ein kurzer Hinweis zu dem Wort شهوة – šahwa):
Das Wort šahwa kommt einschließlich der Verbformen an 13 Stellen im Qur’ân vor:
- šahwa (sing.): 7:81 und 27:55, d.h. der Singular erscheint nur im Zusammenhang mit dem Volk Lots und wird von Übersetzern, Kommentatoren überwiegend im sexuellen Sinn verstanden.
- šahawât (pl.): 3:14, 4:27 und 19:59 (zur Bedeutung: s.u.)
- als Verbum (VIII. Stamm): 16:57, 21:102, 34:54, 41:31, 43:71, 52:22, 56:21, 77:42, das an keiner dieser Stellen einen sexuellen Nebensinn hat.
(3:14):
زُيِّنَ لِلنَّاسِ حُبُّ الشَّهَوَاتِ مِنَ النِّسَاءِ وَالْبَنِينَ وَالْقَنَاطِيرِ الْمُقَنطَرَةِ مِنَ الذَّهَبِ وَالْفِضَّةِ وَالْخَيْلِ الْمُسَوَّمَةِ وَالْأَنْعَامِ وَالْحَرْثِ ۗ ذَٰلِكَ مَتَاعُ الْحَيَاةِ الدُّنْيَا ۖ وَاللَّهُ عِندَهُ حُسْنُ الْمَآبِ
Verschönt ist den Menschen die Liebe [ḥubb] zu den begehrten [Dingen, Wünschen - as-šahawât]: Frauen, Kinder, aufgespeicherte Haufen von Gold und Silber, wohlgezüchteten Pferden, Viehherden und Saatfeldern. Das ist die Versorgung für dieses Leben; und Allah ist es, bei Dem die schönste Heimstatt ist.
Bubenheim und Elyas übersetzen (hier wird das Wort šahwa besser erkennbar) folgendermaßen:
Ausgeschmückt ist den Menschen die Liebe zu den Begierden, nach Frauen, Söhnen, aufgehäuften Mengen von Gold und Silber, Rassepferden, Vieh und Saatfeldern. Das ist der Genuss im diesseitigen Leben. Doch bei Allah ist die schöne Heimstatt.
Im diesem Vers (3:14) werden Frauen, Kinder, aufgespeicherte Haufen von Gold und Silber, wohlgezüchtete Pferde, Viehherden und Saatfelder als šahawât und als Versorgung Allahs für dieses Leben bezeichnet; und jenen, die Allah fürchten, wird - wie der folgende Vers zeigt - im Jenseits noch Besseres verheißen. An einer anderen Stelle, in (2:267), werden die irdischen Güter "gute Dinge" genannt, um von ihnen zu spenden.
Die gleichzeitige Nennung von anderen Wunschzielen neben den Frauen zeigt, dass auch hier kein sexueller (auch kein homosexueller) Aspekt des Begehrens (wie etwa das Wort Sinnenlust o.ä., das in manchen Übersetzungen der Verse von Lot und seinem Volk verwendet wird) im Vordergrund steht, sondern der Wunsch, das Begehren nach einer Vielzahl und nach wertvollen materiellen Dingen, und von Letzteren große Mengen von dem, was das Leben in deren Augen angenehmer und lebenswerter macht.
Der Ausdruck ' شَهْوَةً šahwatan' – bei einem Begehren -, den Lot gemäß dem Qur'ân in 2 der 4 Verse verwendet, in denen er sein Volk tadelt, dass sie zu Männern kommen, nicht (auch) zu Frauen, wird von Qur'ân-Übersetzern auf Grund des von ihnen akzeptierten Sodom-Mythos nur an diesen Stellen im homosexuellen Sinne verstanden, und sie übersehen im Zusammenhang mit dem weiteren Lot-Bericht, dass Lot damit den deutlich minderen Rechtsstatus der Frauen im Volk tadelt.
Das Wort 'šahwa' ist mehrdeutig und kommt einschließlich der Verbformen an weiteren 11 Stellen neben den beiden im Zusammenhang mit Lots Tadel im Qur’ân vor, an denen es jedoch nicht in einem sexuellen oder sogar homosexuellen Sinn verstanden wird. Im Vers (3:14) wird es in Verbindung mit unterschiedlichen Objekten genannt und umschreibt in allen Fällen das 'Begehren', 'Habenwollen' einer großen Menge.
Um zu erfahren, ob es Untersuchungen zur wechelseitigen Beeinflussung zur Bedeutung von Wörtern im Qur'ân durch Qur'ân-Kommentare auf die frühen arabischen Wörterbücher gab, wurde die folgende Frage an ChatGPT gestellt Die Idee dahinter war, dass der Sodom-Mythos mit seinem sexuellen Ansatz als akzeptierte Erklärung für die Geschichte Lots die Bedeutung vom Wort شهوة – šahwa beeinflusste und diese wiederum rückwirkend als Beleg für einen solchen Wortsinn verwendet wurde:
Gibt es den Einfluss des Korans, ca. 610 - 632 entstanden und ca. 644 - 656 kodifiziert, oder besser: gibt es Belege für den Einfluss der ältesten Koran-Kommentare auf die ältesten arabischen Wörterbücher, deren Verfasser ja nach dieser Zeit lebten? Beispiel: das Wort šahwa = شهوة"
Die Antwort von ChatGPT:
ChatGPT | Ja, es gibt durchaus interessante Belege und Forschung zu den Wechselwirkungen zwischen den ältesten Koran-Kommentaren und den arabischen Wörterbüchern, insbesondere wenn es um die Entwicklung und Präzisierung der Bedeutung von Wörtern geht. Die Frage nach dem Einfluss von Koran-Kommentaren (Tafsir) auf die Entstehung der arabischen Lexikografie ist dabei besonders relevant, wenn man bedenkt, dass sowohl der Koran als auch die ersten arabischen Wörterbücher in der Zeit nach der Sammlung des Korans und seiner Kodifizierung (ca. 644–656 n. Chr.) entwickelt wurden. |
ChatGPT gibt als Fazit an: „Die ältesten Koran-Kommentare (Tafsir) hatten definitiv Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung der arabischen Lexikografie. Sie gaben den Verfassern der ersten arabischen Wörterbücher eine wertvolle Grundlage, um die Bedeutung von Wörtern im Kontext des Korans präzise zu definieren. Der Fall des Wortes „šahwa“ zeigt, wie Wörter, die im Koran verwendet wurden, nicht nur aus einem rein linguistischen, sondern auch aus einem theologischen und kulturellen Kontext heraus verstanden wurden, was wiederum die lexikalische Definition beeinflusste.“
So ist davon auszugehen, dass die in den Kommentaren unter dem Einfluss des Sodom-Mythosdie stark sexuelle, im Falle der Verse von Lot und seinem Volk die homosexuell gefärbte Bedeutung, den weiteren Gebrauch bestimmte.
Zeitpunkt der Offenbarung von (3:14)
Dafür spricht auch der Zeitpunkt der Offenbarung von (3:14), (aus dem Buch „Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur, Teil 4, Untertitel: tafsîr-Geschichte, der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“:
Im Vorwort zu sûra 3 (âl ʿimrân), S. 65, The Message of the Qur'ân, von Muhammad Asad, heißt es u.a.:
„Diese sûra ist die zweite oder (nach einigen Autoritäten) die dritte, die in Medina offenbart wurde, offenbar im Jahr 3 AH: Einige ihrer Verse gehören jedoch zu einer viel späteren Periode, nämlich zum Jahr vor dem Tod des Propheten (10 AH).“
Vorwort sûra 4 (an-nisâ'), S. 100, The Message of the Qur'ân, von Muhammad Asad, u.a.
„Es besteht kein Zweifel, dass diese sûra in ihrer Gesamtheit in die Zeit von Medina gehört. In der Reihenfolge der Offenbarung folgt sie entweder unmittelbar auf âl ʿimrân [...]. Im Großen und Ganzen ist es jedoch am wahrscheinlichsten, dass sie im vierten Jahr nach der hiǧra offenbart wurde, obwohl einige ihrer Verse zu einer früheren und Vers 58 zu einer späteren Periode gehören könnten.“
Mit anderen Worten: Es ist nicht auszuschließen, dass der Vers (3:14) vor dem Vers (4:3), der sich auf die Situation nach der Schlacht bei uḥud im Jahre 3 AH bezieht, in der viele muslimische Männer ihr Leben ließen und als Folge ihre Frauen Witwen und ihre Kinder Waisen wurden, offenbart wurde. Im Letzteren wird die maximale Anzahl der Frauen, die ein Mann heiraten darf, auf 4 beschränkt.
Fasst man die Angaben bei Abû 'Abdallāh al-Zanǧâni, Die Geschichte des Qur'an, Hamburg 1999, im Kapitel 'Die Datierung der Suren' (S. 50 - 55) über die Reihenfolge der Offenbarungen in Medina, hier mit weiteren Angaben bei Muhammad Asad über die betroffenen Suren, zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:
al-baqara (sûra 2, außer Vers 281)
al-anfâl (sûra 8) ca. 2 AH
âl ʿimrân (sûra 3) mit Vers (3:14)
al-aḥzâb (sûra 33) ca. ab Ende 6 AH bis 7 AH
al-mumtaHanâ (sûra 60) in 7 AH - 8 AH
an-nisâ' (sûra 4) mit Vers (4:3)
usw.
Das bedeutet wohl, dass in Vers (3:14) wirklich eine große Zahl an Frauen angesprochen wird, die die Männer sich neben vielen Kindern usw. wünschten, so wie es vor der Offenbarung von (4:3) möglich war.“
Der Vers (30:21) über zwischenmenschliche Partnerschaften
Im Qur'ân (30:21) setzt Allah zudem alle zwischenmenschlichen Partnerschaften auf eine und dieselbe Stufe, ohne Ausnahmen und Einschränkungen:
وَمِنْ آيَاتِهِ أَنْ خَلَقَ لَكُم مِّنْ أَنفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِّتَسْكُنُوا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُم مَّوَدَّةً وَرَحْمَةً ۚ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ
„Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er (männliche bzw. weibliche) Partner (ازواج) für euch (Männer und Frauen) aus euch selber erschuf, auf dass ihr (Männer und Frauen) Frieden bei ihnen findet, und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt. Hierin sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.“
Im Qur'ân (30:21) beschreibt Allah alle sexuellen Partnerschaften unter den Menschen als gleichwertige, wünschenswerte, von Ihm so gewollte Verbindungen, wenn man nicht willkürlich einfache Regeln und Möglichkeiten der arabischen Sprache missachtet.
Damit diese Partner eine sexuelle Beziehung eingehen können, gibt es die Ehe, die daher analog auch für Partner des gleichen Geschlechts gilt; da sie im Wortlaut eingeschlossen sind.
Zwei Menschen werden im eigentlichen Sinn erst durch eine Ehe zu Partnern (ازواج , azwâǧ), und für zwei Menschen des gleichen Geschlechts gilt das ebenso per Analogieschluss (arabisch: قياس: - qiyās).
Der Qur'ân sagt hier, dass Allah (männliche und weibliche) Partner (ازواج) für euch (Männer und Frauen) aus euch selber erschuf:
Aus euch selber, nämlich aus jeweils einem Mann und einer Frau. Und wie wir wissen, wird ein kleiner Teil von deren Nachkommenschaft homosexuell und das auf Grund der in der Schöpfung angelegten Möglichkeiten. Und Allah erklärt alle, ausnahmslos alle, zu „Partnern (ازواج) für euch“, d.h jeder kann einen Partner/eine Partnerin unter ihnen finden.
Er bezeichnet sie als „Seine Zeichen“ und sagt im letzten Teil des Verses, dass es Zeichen für Leute seien, die nachdenken, wirklich nachdenken, und das bedeutet auch, kritisch nachdenken, hinterfragen, über den Inhalt des Verses und seine Auswirkungen auf das Leben der Menschen.
Der verwendete Plural أَزْوَاجً (azwâǧ) – Partner, Gatten, Gattinnen in dem Vers ist der Plural sowohl von زوج (zauǧ, m. – Teil eines Paares, Paar, Partner, Partnerin ...) als auch زوجة (zauǧa, f. – Partnerin, Gattin, ..), er ist somit geschlechtsneutral, umfasst beide Geschlechter. Ebenso spricht Allah hier zu allen Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, da das Arabische die männliche Form verwendet, wenn Frauen und Männer angesprochen werden.
Der Ausdruck إِلَيْهَا – ilay-hâ – (hier wiedergegeben mit: bei ihnen) ist ein Femininum Singular und bezieht sich auf das vorstehende Wort أَزْوَاجًا - azwâǧ – (Partner, Partnerinnen), ein arabisches Wort in gebrochener Pluralform. Dazu Carl Brockelmann, Arabische Grammatik, S. 94 f.: „...Auch die sog. (= so genannten) gebrochenen Plurale ... sind eigentlich bloß Kollektivformen. Die Sprache betrachtet sie als Singulare generis feminini und konstruiert sie demgemäß.“
Aus dem qur'ân-widrigen Verbot von Homosexualität seitens einiger Muslime resultieren zahllose unglückliche Zwangsehen, Selbsthass der Betroffenen und Selbstmorde.
Zu der Frage, ob eine Ehe ohne Kinder gültig sei, gibt es im Qur'ân eine klare Antwort. Einerseits sind alle Regeln für einen نكاح (nikâḥ = Ehe (-vertrag/-bund) bzw. زواج (zawâǧ = Ehe, Partnerschaft) für alle gültig. Denn er macht die Menschen erst zu Partnern (ازواج , azwâǧ). Zumal es nirgendwo im Qur'ân ein Heiratsverbot gibt zwischen Menschen desselben Geschlechts. Ebenso ist und bleibt eine Ehe auch ohne Nachkommen gültig, Qur’ân Verse (42: 49, 50):
لِّلَّهِ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ ۚ يَخْلُقُ مَا يَشَاءُ ۚ يَهَبُ لِمَن يَشَاءُ إِنَاثًا وَيَهَبُ لِمَن يَشَاءُ الذُّكُورَ
أَوْ يُزَوِّجُهُمْ ذُكْرَانًا وَإِنَاثًا ۖ وَيَجْعَلُ مَن يَشَاءُ عَقِيمًا ۚ إِنَّهُ عَلِيمٌ قَدِيرٌ
Allahs ist das Königreich der Himmel und der Erde. Er schafft, was Ihm beliebt. Er beschert Mädchen, wem Er will, und Er beschert Knaben, wem Er will:
Oder Er gibt beides, Knaben und Mädchen; oder Er macht unfruchtbar, wen Er will; Er ist allwissend (und) bestimmt das Maß
Folglich sind unter einem نكاح (nikâḥ) homosexuelle Verbindungen ebenso legal wie heterosexuelle. الحمد لله. Und der Vers schließt so alle ein, die heute oft mit LSBTIQ zusammengefasst werden. Überdies betont der Qur’ân im letzten Satz des Verses (30:21) mit den Worten "Zeichen für ein Volk, das nachdenkt" das Nachdenken:
Nachdenken statt einfach vorhandenen Meinungen zu folgen
Der Qur'ân hat mit der Akzeptanz diverser sexueller Partnerschaften einen ganz besonderen Ansatz:
Im Qur'ân (30:21) beschreibt Allah alle sexuellen Partnerschaften unter den Menschen als gleichwertige, wünschenswerte, von Ihm so gewollte Verbindungen, wenn man nicht willkürlich einfache Regeln und Möglichkeiten der arabischen Sprache missachtet. Damit diese Partner eine sexuelle Beziehung eingehen können, gibt es die Ehe, die daher analog auch für Partner des gleichen Geschlechts gilt. Er bezeichnet sie als „Seine Zeichen“ und sagt im letzten Teil des Verses, dass es Zeichen für Leute seien, die nachdenken, und das bedeutet auch, kritisch nachdenken, hinterfragen, über den Inhalt des Verses und seine Auswirkungen auf das Leben der Menschen.
Das gilt ebenso für alle anderen Fragen.
Die Position vieler Muslime, sich ohne nachzudenken auf überlieferte Ansichten der Vergangenheit zu berufen, steht im krassen Gegensatz zur Position des Qur'âns, der die Befolgung des Wortes Allahs anordnet (5:104):
وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ تَعَالَوْا إِلَىٰ مَا أَنزَلَ اللَّهُ وَإِلَى الرَّسُولِ قَالُوا حَسْبُنَا مَا وَجَدْنَا عَلَيْهِ آبَاءَنَا ۚ أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لَا يَعْلَمُونَ شَيْئًا وَلَا يَهْتَدُونَ
Und wenn ihnen gesagt wird: 'Kommt her zu dem, was Allah herabgesandt hat, und zu dem Gesandten', sagen sie: 'Uns genügt das, worin wir unsere Väter vorfanden.' Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Wege waren!
Die Vorgeschichte der traditionellen Interpretation
In den traditionellen Interpretationen/Kommentaren gibt es eine bestimmte Ansicht über Homosexualität, über deren Verbot oder Zulässigkeit. In dem Buch „Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur, Teil 4, Untertitel: tafsîr-Geschichte, der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“, werden 15 alte Qur'ân-Kommentare der ersten muslimischen Jahrhunderte zu den Themen „Lot und sein Volk“ untersucht, ebenso zur Geschichte von Josef (yûsuf) und Jakob (yaʿqûb) einschließlich dem Wort šahwa - Begehren darin.
In ihnen wird die Einstellung der Muslime zu mann-männlicher Liebe vorgezeichnet - ein weitgehend verheerendes Bild.
Nur mit Beklemmung kann man „Kommentare“ zur Kenntnis nehmen, die im Zusammenhang von Lot und seinem Volk auf anale Vorstellungen zurückgreifen, denn nichts davon finden wir im Qur'ân, aber alles im Detail im Text dieser Kommentare.
Als Übernahme aus vor-muslimischer Literatur taucht dort die Vorstellung von Analverkehr auf und ebenso, dass die Sodomiter auch mit ihren Frauen anal verkehrt haben sollen. Diese Idee wird darin als jüdisch-christliches 'Erbe' übernommen.
Solche Vorstellungen sind in 6 der 15 Kommentare zu finden.
Zu der Frage, ob Analsex im Qur'ân verboten sei, hier ein relativ kurzes Zitat aus dem Buch von Ali Ghandour „Liebe, Sex und Allah: Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime“ S. 143 zu dem Vers (2:223):
„Eine andere Partei stützte ihre Interpretation auf die Geschichte eines Gefährten des Propheten, der seine Frau anal penetrierte. Danach fragte er den Propheten, ob seine Tat falsch gewesen sei. Als Antwort darauf wurde die Passage „Eure Frauen sind für euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld [wann?] [wie?] [wo?] ihr wollt“ als Koranvers offenbart. Der Hauptvertreter dieser Interpretation war der Prophetengefährte und Sohn des zweiten Kalifen Ibn 'Umar (gestorben 693). Seine Position zur Zulässigkeit der Sodomie wurde von vielen Gelehrten Medinas verteidigt, darunter Malik, der Gründer der malikitischen Tradition, sowie seine führenden Schüler. Später versuchten Malikis jedoch, diese Einschätzung zu revidieren.“
Auf S. 142 gibt er zu dem arabischen Text den Hinweis: „Die Präposition annâ [arabisch: أَنَّىٰ ], die hier benutzt wurde, kann im Arabischen je nach Kontext wann, wie oder wo bedeuten.“
Obwohl die Mehrzahl der untersuchten Kommentare (9 von 15) keine sexuellen Vergehen bei Lots Volk kennt, sondern zum Teil eher bloße Unarten der Bewohner der Stadt Lots (sie ließen die Kleidung über den Boden schleifen, kauten Mastix (Harz vom Mastixbaum) und stellten unterwegs Fragen), war der Einfluss der übrigen 6 auf das Denken der Muslime größer und hat sich bis heute durchgesetzt, offenbar, weil durch deren Narrative das vermeintliche „Vorwissen“ der Menschen und deren Phantasie stärker angesprochen wird.
Weiter werden 16 alte Wörterbücher auf die Erklärung von dem Wort šahwa geprüft:
Diese ältesten erhaltenen Wörterbücher entstanden alle einige Zeit nach der Offenbarung des Qur'âns, so dass ein Einfluss des Sodom-Mythos und der Gedankenwelt der mawâli-Generation auf sie nicht ausgeschlossen werden kann.
Kopieren von Büchern erfolgte damals handschriftlich, da es den Buchdruck noch nicht gab. So konnten Kopisten Ergänzungen und 'Korrekturen' ja ohne weiteres einfügen. Kopieren bedeutete in der Vergangenheit, Bücher abzuschreiben - es war der einzige Weg weitere Exemplare zu erstellen. Und das bot so die Möglichkeit, die Vorlage zu 'verbessern' und zu ergänzen.
So merkt Wikipedia beim ältesten erhaltenen Wörterbuch kitâb al-ʿain von al-ẖalîl ibn aḥmad an:
„Es gibt jedoch einige Zweifel daran, ob das Buch in seiner modernen Ausgabe das Original von al-Chalil ist, oder ein Werk, das basierend auf dem Original fortgeschrieben wurde.“
ḥadîṯe - الاحاديث
Was ist ein ḥadîṯ? Er ist eine Überlieferung, die auf den Propheten (ṣ) zurückgeführt wird, auf das, was er tat oder sagte. Er besteht aus 2 Teilen, dem isnâd, der Überliefererkette, d.h. der Nennung der Personen, die ihn überlieferten, und dem matn, dem eigentlichen Text der Überlieferung.
Im Laufe der Zeit vermehrten sich „ḥadîṯe“ immer mehr, es gab bald Erfindungen und Fälschungen in ungeheurer Zahl.
Muslimische Gelehrte entwickelten als Folge davon die ḥadîṯ-Wissenschaften und formulierten unter anderem eine Art „Faustregel“, wie man am besten authentische Überlieferungen von gefälschten unterscheidet.
Dr. muḥammad ʿaǧǧâǧu`l-ẖaṭîb führt in seinem Buch uṣûlu`l-ḥadîṯ - ʿulûmu-hu wa muṣṭalaḥu-hu, Seite 432 - 436, neben anderem folgende Regel auf über abzulehnende Überlieferungen (ähnlich Dr. ṣubḥiyyu`ṣ-ṣâliḥ ʿulûmu`l-ḥadîṯi wa muṣṭalaḥu-hu, S. 211).:
„3 - Das, was zum Wortlaut des Buches [= Qur’ân] im Widerspruch steht oder zu der über eine große Zahl von Wegen [arabisch: mutawâtir] überlieferten sunna oder zum iǧmāʿ. [...].“
Weiter sagt er in uṣûlu`l-ḥadîṯ - 'ulûmu-hu wa muṣṭalaḥu-hu, Seite 319:
"Die Gelehrten vertreten über die Aufstellung dieser Rangfolge (der Betraubarkeit von ḥadîṯen) die nachstehende Ansicht:
1.Rang: Der ṣaḥîḥ [der authentische ḥadîṯ], den al-buẖârî und muslim gemeinsam auswählten; das nennen die ḥadîṯ-Wissenschaftler muttafaq 'alay-hi [= worin (beide) übereinstimmen].
2. Rang: Der ṣaḥîḥ, den al-buẖârî allein aufweist, nicht jedoch muslim.
3. Rang: Der ṣaḥîḥ, den muslim allein aufweist, nicht jedoch al-buẖârî.
[.....]“.
Eine Untersuchung der ḥadîṯe, die als ein Verbot oder eine Verurteilung von Homosexualität verstanden wurden, zeigte, dass sie alle keine (im strengen Wortsinn) authentische ḥadîṯe sind. (im Buch: "Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur", Teil 2 mit dem Untertitel: ḥadîṯ-Literatur, Die Überlieferungen.
Auf der anderen Seite gibt es ḥadîṯe, die sowohl von al-buẖârî und muslim für ihre Sammlungen ausgewählt wurden, die also zur Kategorie muttafaq 'alay-hi gehören. Sie zeigen, dass homosexuellen Männern erlaubt war, sich in den Häusern der Frauen des Propheten aufzuhalten:
al-buhârî, ǧâmiʿu`ṣ-ṣaḥîḥ, nikâḥ 114, Band 3, S. 266 |
ḥaddaṯa-nâ ʿuṯmân ibn abî šayba | حدثنا عثمان بن أبي شيبة | |
ḥaddaṯa-nâ ʿabda | حدثنا عبدة | |
ʿan hišâm ibn ʿurwa | عن هشام بن عروة | 61 - 146 |
ʿan abî-hi | عن أبيه | 23/29 - 92/101 / ʿurwa ibnu`z-zubayr |
ʿan zaynab ibna umm salama | عن زينب ابنة أم سلمة | |
ʿan umm salama | عن أم سلمة | - 59/60 |
أن النبي صلى الله عليه وسلم كان عندها وفي البيت مخنث فقال المخنث لأخي أم سلمة عبد الله بن أبي أمية إن فتح الله لكم الطائف غدا أدلك على بنت غيلان فإنها تقبل بأربع وتدبر بثمان فقال النبي صلى الله عليه وسلم |
لا يدخلن هذا عليكم |
anna`n-nabiyya (ṣalla`llâhu ʿalay-hi wa sallam) kâna ʿinda-hâ wa fî`l-bayti muẖannaṯun fa-qâla`l-muẖannaṯ li-ahî umm salama ʿabdi`llâhi ibn abî umayya: in fataḥa`llâhu ʿalay-kumu` ṭ- ṭâ’ifa ġadan adullu-ka ʿalâ`bnati ġaylân fa-inna-hâ tuqbilu bi-arbaʿin wa tudbiru bi-ṯamânin wa qâla`n-nabiyyu (ṣalla`llâhu ʿalay-hi wa sallam): |
lâ yadẖulanna hâḏâ ʿalay-kum |
Übersetzung: |
Von umm salama, |
dass der Prophet (ṣ.) bei ihr war, und im Haus war ein Schwuler [muẖannaṯ]. Da sagte der muẖannaṯ zu dem Bruder von umm salama, ʿabdu`llâh ibn abî umayya: Wenn Allah euch morgen den Sieg über [die Stadt] ṭâ’if ermöglicht, zeige ich dir die Tochter von ġaylân. Denn sie hat von vorne vier und von hinten acht [Fettfalten]. Und der Prophet (ṣ.) sagte: |
Dieser soll nicht bei euch eintreten. |
Das Wort muẖannaṯ ist offenbar das alte arabische Wort für jemanden, der sich nicht allein in seinem Verhalten von anderen Männern unterschied, sondern auch in seinem sexuellen Interesse.
Die Überlieferungen über muẖannaṯûn, die ungehinderten Zugang zu den Frauen des Propheten hatten, bezeugen dies unübersehbar, ebenso wie ʿâ’išas Einschätzung, dass sie zu denen gerechnet wurden, die der Qur’ân in (24: 31) als غَيْرِ أُولِي الْإِرْبَةِ - ġayr ûlî`l-irbati (Leute ohne Geschlechtstrieb) bezeichnet - aus Sicht einer Frau ist dies in dem Sinne korrekt, da diese Leute nach ihrer Erfahrung ja kein sexuelles Interesse an Frauen haben.
Soweit die Überlieferungen auf die als Zeugin des Vorfalls genannte Frau des Propheten, umm salama, zurückgeführt werden oder auf ʿâ’iša, die es direkt aus ihrem Mund erfahren haben kann, verbietet der Prophet nicht allen diesen Männern deren Häuser, sondern lediglich jenen, die über ihre Begegnungen zu anderen sprechen.
Das abschließende Fazit:
Es kann hier festgehalten werden:
Es ist sicherlich ausgeschlossen, dass Allah bei Seiner Offenbarung Sich auf Phantasiegeschichten bezogen hat, wie sie im Sodom-Mythos auftauchen und zweifelhafter Herkunft sind.
Wenn einige Muslime weiterhin behaupten, Homosexualität sei im Islam (auf Basis des arabischen Qur'ân-Textes und authentischer ḥadîṯe) verboten, dann sagen sie – vielleicht unwissend – die Unwahrheit, mit krasseren Worten: Sie verbreiten Lügen. Und sie tun das über die Offenbarung Allahs.
Homosexuelle Menschen schaden auf Grund ihrer besondere Form von Sexualität niemandem, sondern sie wollen ihr Leben gemäß ihrer fiṭra, ihrer natürlichen Anlage, führen, die Allah ihnen mitgab, so wie es den heterosexuellen Menschen ohne Einschränkungen zugestanden wird.
Es gibt keinen Vers im Qur'ân, auch gibt es keinen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ ṣaḥîḥ – حديث صحيح), der Homosexuelle verurteilt oder ihre Lebensweise verbietet.
Ebenso kann es keinen gültigen iǧmāʿ, einen consensus, eine Übereinstimmung (in welcher Form auch immer) in dieser Frage geben, weil die Basis dafür allein auf erfundenen Erzählungen beruht und nicht auf einem Wort des Qur'âns.
Lasst Vorsicht walten gegenüber traditionellen Meinungen.
Haltet euch nur an den Qur'ân und die unbestreitbaren Fakten!
Schlussfrage:
Die Bewohner von Sodom gelten als homosexuell. Das ist historisch nicht nachweisbar. Wodurch entstand die zugrunde liegende Homophobie?
Das Fazit in der Antwort von ChatGPT:
ChatGPT | Fazit: Wie entstand religiös geprägte Homophobie?
Die Verknüpfung von Homosexualität mit „Sünde“ ist nicht notwendig aus den Texten selbst, sondern wurde hineininterpretiert und institutionalisiert. |
Hier endet der Beitrag "1 Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos" in Fakten 2.
2 Einige Anmerkungen dazu
Auf diesen Seiten sind viele Argumente aufgeführt, die klar belegen, dass die Ansicht vieler Muslime, dass Homosexualität im Islam (auf Basis von Qur-ân und authentischen ḥadîṯen) verboten sei, nicht korrekt ist, nicht den Tatsachen entspricht.
Wie die vorstehenden Aussagen von ChatGPT zeigen, ist es unbestreitbar, dass diese alte Ansicht auf die Übernahme vor-muslimischer Meinungen der patristischen Theologie, d.h. auf die sogenannten "Kirchenväter" der ersten christlichen Jahrhunderte, zurückgeht, sogar bis zu wörtlich übersetzten Aussagen.
Die "Kirchenväter" haben den Sodom-Mythos immer weiter ausgemalt mit abstrusen Lügenmärchen und surrealen Phantastereien, unabhängig von der Textlage im Alten Testament und den Aussagen von Jesus in den 4 Evangelien. Sie sind wohl auf deren negative Einstellung zur Sexualität zurückzuführen, und sie sind ohne jegliche historische Grundlage. Damit schufen sie auch eine strukturelle Homophobie, die mit diesen Hirngespinsten durch die Konvertierung von Christen und auch Juden die Muslime erreichte. Die Vertreter dieser traditionellen Meinung unter den Muslimen sind leibhaftig und unbestreitbar die Erben und Nachfolger der "Kirchenväter" und ihrer patristischen Theologie.
Nebenbei
In der Zeit der "Kirchenväter" entstand ebenso die seltsame Idee, Jesus sei Sohn Gottes in der Bedeutung, dass er selbst göttlich sei, und schließlich erfanden diese "Kirchenväter" die Trinität, Dreieinigkeit (diese Wörter sind ein Widerspruch in sich selbst: 3 = 1 ?) für ihre Vorstellungen, machten den Menschen Jesus zu einem Teil ihres Gottesbildes. Diese "Karriere" verdankt er der patristischen Theologie. |
Zurück zum Sodom-Mythos
Unter den frühen Muslimen bildeten bald die mawâlî, ehemalige Christen und Juden, die Mehrheit. Sie waren oft gebildeter als die arabischen Muslime. Sie brachten ihre alten Überzeugungen mit, wie z.B. den Sodom-Mythos der Kirchenväter einschließlich deren struktureller Homophobie. Und es gelang ihnen, vieles davon an erste Qur'ân-Kommentare weiterzureichen. Auf diese Weise gelangte dies an spätere Generationen der Muslime.
Es war als „Erbe“ aus ihrer Vergangenheit ein „Wissen“, das sie für wahr erachteten, und es gab somit auch keinen Anlass, den Wahrheitsgehalt und den historischen Hintergrund zu überprüfen.
So wurden diese Ideen der Kirchenväter bald zur Grundlage muslimischer Anschauungen, die sich bald in ihrem Denken als Lehre des Islams verfestigten.
Von den heutigen Gelehrten ist kaum einer willens oder in der Lage, die modernen Möglichkeiten in Bezug auf Literatur, Internetangebote usw. dafür zu nutzen, um den Wahrheitsgehalt und den historischen Hintergrund ihrer Ansichten zu überprüfen. Lieber verbreiten sie überholte Denk-Konstrukte als islamische Lehre: Museale Vorstellungen sind ihnen lieber als reale Fakten, und sie wiederholen diesen Unsinn immer wieder ohne nachzudenken: Denn die "Autoritäten" vor ihnen machten es ja genauso.
Was sagt der Qur'ân dazu?
Der Qur'ân untersagt, etwas aus bloßer Willkür als erlaubt (ḥalâl) oder verboten (ḥarâm) zu erklären (16:116):
وَلَا تَقُولُوا لِمَا تَصِفُ أَلْسِنَتُكُمُ الْكَذِبَ هَٰذَا حَلَالٌ وَهَٰذَا حَرَامٌ لِتَفْتَرُوا عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ ۚ إِنَّ الَّذِينَ يَفْتَرُونَ عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ لَا يُفْلِحُونَ
„Und sagt nicht von dem, was eure Zungen als Lüge behaupten: "Das ist erlaubt (ḥalâl), und das ist verboten (ḥarâm)", um gegen Allah eine Lüge zu ersinnen. Gewiss, denjenigen, die gegen Allah eine Lüge ersinnen, wird es nicht wohlergehen.“
(5:104):
وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ تَعَالَوْا إِلَىٰ مَا أَنزَلَ اللَّهُ وَإِلَى الرَّسُولِ قَالُوا حَسْبُنَا مَا وَجَدْنَا عَلَيْهِ آبَاءَنَا ۚ أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لَا يَعْلَمُونَ شَيْئًا وَلَا يَهْتَدُونَ
'Sie sagen: 'Uns genügt das, worin wir unsere Väter vorfanden.' Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Wege waren!'
Ihre Denkfaulheit, ihr eigensinniges und starrköpfiges Festhalten an Irrwegen muslimischer Denk-Entwicklungen verursacht leidvolle Erfahren von gegenwärtig etwa 60 bis 120 Millionen von homosexuellen Muslimen weltweit, und sie verfestigen mit ihrer Haltung ein nicht korrektes Bild vom tatsächlichen Islam in den Köpfen vieler Menschen und vieler Muslime.
Kehren wir zurück auf den Boden islamischer Tatsachen: Islam ist nur die Lehre, die auf dem arabischen Text des Qur'âns und den - im Wortsinne - authentischen Ḥadîṯen beruht. Nur das ist Islam, und nicht die Vorstellungen, die muslimische Gelehrte in der Vergangenheit und noch heute aufgrund falscher Annahmen entwickeln und entwickelten.
Es gibt heute und gab eine Reihe Imame und Gelehrter, die sich gegen die Mehrheitsmeinung stellten, und manche wurden ermordet. Es gibt Gruppierungen und Web-Seiten von Muslimen, die sich für den wahren Islam einsetzen (siehe die Unterseite „Publikationen“). Viele andere Muslime verhalten sich still aus Angst vor den Drohungen der Vertreter der Mehrheitsmeinung. Was tun?
Wir können die halsstarrigen „Gelehrten“ immer wieder gezielt befragen, sie auf die anderen Argumente hinweisen, ihnen klarmachen, dass der Einfluss auf muslimisches Denken in der Frühzeit des Islam durch damals vorhandene unhinterfragt akzeptierte Vorstellungen bei Menschen, die Muslime wurden, übergroß war: Die bekannten eingängigen Vorstellungen des Sodom-Mythos wurden einfach ungeprüft dem Text des Qur'âns "übergestülpt", sein Wortlaut beiseite gelassen.
Wir können uns zusammenschließen und gezielt immer wieder auf den Unsinn der alten Meinungen hinweisen, erklären, wie wenig sie durch historische Belege zu begründen sind und welche Unlogik in ihnen steckt, was Biologie und die Fakten der Schöpfung betrifft.
Über die Herkunft des Sodom-Mythos
Natur und Ordnung bei Augustinus zu den Begriffen:
- contra naturam
- παρά φύσιν
- wider die Natur
- gegen die Natur
Die folgende Tabelle enthält die Antworten aus mehreren Fragen an ChatGPT:
Laut Augustinus: Die Natur = Teil der Schöpfung Gottes
Die Ordnung der Natur ist von Gott erschaffen und bestimmt
Gott allein erkennt und setzt laut Augustinus die Ordnung der Natur vollständig und absolut fest. Menschen können sie teilweise erkennen, aber nicht bestimmen. |
Aus Sicht des Islams ist Gott der Schöpfer und Urheber aller Dinge, und damit auch der natürlichen Ordnung. |
3 Zur Strafbarkeit von Homosexualität
Einleitend zu der Frage, wie die Deutungen der Bibel in den hellenistisch-jüdischen Kreisen und der patristischen Theologie, namentlich auch durch Philon, einzuordnen sind, äußert sich Karlheinz Deschner in dem Buch: Abermals krähte der Hahn.
Auf Seite 314 f. heißt es im Zusammenhang mit der Vorgehensweise der älteren Kirchenväter, dass sie, "was in Wirklichkeit aber gar nicht darin stand, erst durch meist haarsträubende Allegorese hineindeuten, womit freilich die jüdischen Hellenisten, namentlich Aristobulos und noch mehr Philon [von Alexandrien, 15/10 v. Chr.; - nach 40 n. Chr. ], den Christen vorangegangen waren", um auf diese Weise Vorstellungen der Stoiker und anderer in biblische Geschichten hineinzulesen.“
Ein paar Worte zur Strafbarkeit von Homosexualität:
Anders als im Qur'ân ausgesagt oder in authentischen Ḥadîṯen, wird von vielen Muslimen angenommen, dass Homosexualität verboten und zu bestrafen sei.
Warum sollten Homosexuelle denn bestraft werden? Sie sind homosexuell, weil Allah sie so und nicht anders geschaffen hat, ihnen ihre besondere fiṭra (فطرة) - Natur, Veranlagung, angeborene Anlage für ihr Leben mitgegeben hat. Allah hat es so gewollt. Und mit dieser, ihrer fiṭra fügen sie niemanden einen Schaden zu, wenn sie im Rahmen einer Ehe mit einem ihnen gemäßen Partner zusammenleben.
Obwohl die Vorstellung der Strafbarkeit von Homosexualität auf die Akzeptanz und Weitergabe des Sodom-Mythos durch die mawâlî zurückgeht, dessen Historizität und Teil gültiger religiöser Lehre nicht belegbar ist, weder im Alten Testament, noch durch Aussagen von Jesus in den 4 kanonischen Evangelien, noch aufgrund realer historischer Belege. Der Sodom-Mythos wurde erst im 2. - 8. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung von den Kirchenvätern (der patristischen Theologie) zu monströsen Lügengeschichten geformt und ist bis heute sozusagen die "Bibel" muslimischer Gelehrter, wenn sie den Qur'ân kommentieren.
Oftmals wird von vielen Muslimen die Todesstrafe, d.h. die Steinigung, gefordert und idealerweise auf die Weise, Homosexuelle von einem erhöhten Ort hinabzustürzen, und wenn sie dann noch nicht tot sind, zusätzlich zu steinigen.
Es gibt hierzu weder einen Vers im Qur'ân noch einen einzigen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ ṣaḥîḥ – حديث صحيح), – nichts. Deshalb nehmen manche an, dass die Beschreibung in der Geschichte von Lot und seinem Volk, so wie sie sie verstehen, und dessen Strafe doch die Vorlage für die Form dieser Strafe sein solle.
Wenn man sich die Geschichte anderer Völker im Qur'ân und deren Vernichtung ansieht, so wurde von muslimischen Gelehrten aus deren Fehlverhalten und ihrer Art der Strafe keine Anwendung für spätere Missetäter abgeleitet. Warum hat man sich bei dem, was man sich als Fehlverhalten von Lots Volk vorstellte, anders verhalten? (Eine mögliche Antwort: der Eindruck der "Vorlage" der Kirchenväter auf sie war übermächtig).
Es gibt im Qur'ân z.B. die Geschichte von ṣâliḥ bei den ṯamûd (7:73-79) und die Geschichte von šuʿayb und den Bewohnern von madyan (7:85-93), die auf ähnliche Weise wie Lots Volk endeten.
Ein anderes Beispiel: Die Geschichte von Noah. Die Menschen, die nicht an seine Botschaft glaubten, wurden ertränkt (z.B.: 7:59-64). Haben etwa Muslime für deren Vergehen die Strafe des Ertränkens abgeleitet?
Auf ähnliche Weise kam der Pharao mit seinen Leuten bei der Verfolgung von Mose ums Leben (2:50).
Ein ganz wichtiger Grund ist, dass die frühen Muslime und ihre Qur'ân-Kommentatoren die durch die christlichen sogenannten Kirchenväter ausgeschmückten Phantastereien als wahre Aussagen akzeptierten, ganz offensichtlich ohne sie akribisch zu prüfen, denn sie gehörten ja zu den mawâlî, konvertierte Muslime, die zuvor Christen und Juden waren und ihre alten Überzeugungen weiter ungeprüft pflegten.
Und woher kam die Idee, verurteilte Homosexuelle von einem erhöhten Ort herabzustürzen, und wenn sie dann noch nicht tot waren, sie zu steinigen? Es gibt dazu keine Quellen, z.B. im römischen oder byzantinischen Recht.
Dazu liefert Reclams Bibellexikon einen unübersehbaren Hinweis: Unter dem Stichwort „Steinigung“ heißt es auf S.472:
„Steinigung, die in Israel häufigste, sakrale Hinrichtungsart. Wieweit das in der Mischna [die Mischna, die erste schriftliche Fassung der mündlichen jüdischen Lehre, wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. von Rabbi Jehuda ha-Nasi redigiert] beschriebene Verfahren der S. [= Steinigung] – man stürzte den Verurteilten von einer Mauer oder einem Felsen herab und ließ, wenn er nicht auf der Stelle tot war oder im Sterben lag, schwere Steine auf ihn niederfallen – schon in alttest. Zeit angewandt wurde, ist nicht bekannt. […].“
Sie sollte bei Gotteslästerung, Sabbatschändung. Wahrsagerei, Übertretung eines Tabu-Gebotes, Ehebruch und Ungehorsam gegenüber den Eltern angeordnet werden.
Frühe Neu-Muslime, vermutlich mit jüdischen Wurzeln, betrachteten als „gelehrige Schüler“ Homosexualität als ein großes Vergehen und damit Homosexuelle als zu dieser Gruppe gehörig. Mit anderen Worten, die patristische Theologie, d.h. die Kirchenväter und einige jüdische Gelehrte, waren Lehrer für muslimisches Denken, nicht der arabische Text des Qur'âns. Nun, ja.
In dem Buch Ansichten eines Muslims von Amin K. Waltter, gibt es den Beitrag 'Al-Azhar und Homosexualität (und Entgegnung' (auf Deutsch und Englisch)'. Er beruht auf einem Zeitungsartikel mit Übersetzung aus der ägyptischen Tageszeitung Al-Akhbâr vom 7.6.2013, Seite 14, über ein Treffen der Mitglieder des "Rates für Islamische Forschungen" unter dem Vorsitz des Scheich al-Azhar aḥmad aT-Tayyib über eine Moschee für Homosexuelle in oder bei Paris. |
Die Entwicklung der Rechtsschulen (maḏâhib) und die Strafbarkeit von Homosexualität
Nachfolgend eine ausführliche Wiedergabe von Antworten von ChatGPT, da sie nicht unerheblich für eine Beurteilung sind, inwieweit der Islam auf Basis des Qur'âns und authentischer Hadîṯe tatsächlich homosexuelle Handlungen verbietet:
Auf die Frage:
„Welche konkreten Texte gibt es in muslimischen Quellen aus dem 1. oder 2. Jahrhundert nach der Hidschra, die islamische Urteile über Homosexualität dokumentieren? Gibt es aus dieser Zeit Berichte über Urteile zu Homosexualität bei den Muslimen?“
gab ChatGPT folgende Antwort:
ChatGPT | „Ja — es gibt in muslimischen Quellen aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach der Hidschra (ca. 7. bis 9. Jahrhundert) mehrere Berichte und Rechtsmeinungen („fatwā‑/fiqh‑Literatur“, ḥadîṯ, Bericht über die Praxis der Gefährten etc.), die sich mit Homosexualität (oft „liwāt“, „amal qawm Lūt“ etc.) befassen, inklusive einiger Fälle und Urteilsvorschläge. Allerdings sind viele dieser Berichte umstritten, schwach überliefert oder später in der Rechtstradition zitiert. Ich stelle hier die wichtigsten Beispiele zusammen, mit Einschätzungen zur Verlässlichkeit.“ Konkrete Berichte und Meinungen 1. Bericht über Abū Bakr und Khalid ibn al‑Walīd 2. ḥadîṯe‑/Rechtsschulenmeinungen über Strafe für liwāt 3. „Sexual Passivity Report“ / Bericht über Passive Rolle 4. Mukhannathūn (= muẖannaṯûn) Berichte Einschränkungen, Unsicherheiten
Fazit
**** |
Ebenfalls Zeittabellen aus Antworten von ChatGPT:
Institutionelle Bildung (2.–3. Jahrhundert AH/ 8.–9. Jh. n. Chr.)
Hier beginnen sich die wichtigsten sunnitischen Maḏāhib formal um prominente Gelehrte und ihre Anhänger herum zu entwickeln:
Die Bildung der Rechtsschulen (maḏâhib)
✅ Überblick (ChatGPT)
ChatGPT | Phase | Periode (AH / n. Chr.) | Was geschah |
Frühe Einschätzung | 1. Jahrhundert AH / 7. Jh. n. Chr. | Keine formalen Schulen, regionale Rechtspraxis | |
Bildung | 2.–.3. Jh. AH / 8.–9. Jh. n. Chr. | Schulen bilden sich um bedeutende Juristen und ihre Ideen | |
Konsolidierung | 3.–5. Jh. AH / 9.–11. Jh. n. Chr. | Doktrinen stabilisiert, staatliche Schirmherrschaft beginnt |
Tabellarische Übersicht von ChatGPT über die Begründer der 4 großen Maḏâhib
ChatGPT | Schule | Gründer | Lebensdauer | Standort |
Ḥanafī | Abū Ḥanīfa | 80 - 150 AH / 699 – 767 n. Chr. | Kufa (Iraq) | |
Mālikī | Mālik ibn Anas | ca. 93 - 179 AH / ca. 711 – 795 n. Chr. | Medina | |
Shāfiʿī | aš-Šāfiʿī | 150 - 204 AH / 767 - 820 n. Chr. | Mekka, Ägypten | |
Ḥanbalī | Aḥmad ibn Ḥanbal | 164 – 241 AH / 780 - 855 n. Chr. | Baghdad |
Mit anderen Worten: Es war alles in Bewegung, und es wurde um den richtigen Weg gerungen: Und der Einfluss des Sodom-Mythos war größer als die Beschränkung auf die Aussagen des Qur'âns.
Das Ergebnis dieser bewegten Zeit liegt vor uns (s.o).
4 Einige Worte über die immense Arbeit und die Akribie von Hadîṯ-Sammlern
In den Büchern
- ISLAM und HOMOSEXUALITÄT im Qur’ân und der Hadîṯ-Literatur, Teil 2, Ḥadîṯ-Literatur, Die Überlieferungen,
und
- ISLAM und HOMOSEXUALITÄT im Qur’ân und der Hadîṯ-Literatur, Teil 3, Ḥadîṯ-Literatur, Ḥadîṯ-Wissenschaft, Überlieferer und Sammlungen
gibt es ausführliche Angaben hierzu.
Hier nur ein Überblick über mâlik ibn anas, aḥmad ibn ḥanbal und die „6 Bücher“, um einen Eindruck zu bekommen, wie viele Überliefer-ungen den Autoren zur Verfügung standen und die geringe Anzahl, die sie aufgrund ihrer jeweiligen Bedingungen auswählten:
ChatGPT | Autor | Datenbasis | Hadîṯe | Hadîṯe ohne Wiederholungen | Prozent | Lebensdaten |
mâlik ibn anas, | 100.000 | 1.720 | ? | 1,72 | mâlik ibn anas, 93 – 179 h | |
aḥmad ibn ḥanbal | 750.000 | 50.000 | 40.000 | 5,33 | 164 – 241 h | |
al-buẖârî | 600.000 | 9.082 | 2.602 | 0,4337 | 194 - 256 h | |
muslim | 300.000 | ca. 10.000 | 3.030 | 1,010 | 204 - 261 h | |
ibn mâǧa | ? | 4.341 | ? | ? | 209 - 273 h | |
abû dâwûd | 500.000 | 5.274 | 4.800 | 0,96 | 202 - 275 h | |
at-tirmiḏî | ? | 3.956 | ? | ? | 209 - 279 h | |
an-nasâ'î | ? | 5.761 | ? | ? | 215 – 303 h |
Bei aller Wertschätzung der bedeutenden Arbeit von al-buẖârî und muslim haben muslimische Wissenschaftler sich mit deren Werken auch kritisch auseinandergesetzt:
Bei Goldziher, Muhammedanische Studien, Band II, S. 256 - 257, heißt es:
„...Trotz der allgemeinen Anerkennung, deren sich die SaHîHân [die beiden ṣaḥîḥ-Werke von al-buẖârî und muslim] im Islam erfreut hatten, verstieg sich die Verehrung dennoch niemals so weit, dass man es für unstatthaft oder unziemlich gehalten hätte, den in diesen Sammlungen einverleibten Aussprüchen und Bemerkungen mit freier Kritik entgegenzutreten.“
Im Handwörterbuch des Islam heißt u.a. im Kapitel HADÎTH auf S. 150:
"So verfaßte z.B. 'Alî al-Dârakutnî ['alî ad-dâraquṭnî] (st. 385 = 995) ein Werk, in dem die Schwäche von 200 in den Sammlungen von al-Bukhârî und Muslim vorkommenden Überlieferungen nachgewiesen wird (vgl. Goldziher, a.a.O., II, 257)."
Auch M. Azami, Studies in Hadîth Methodology and Literature, S. 92, verweist darauf, dass kritische Gelehrte nicht immer mit dem Ergebnis von al-buẖârîs Arbeit übereinstimmten:
"Viele Gelehrte kritisierten buẖârîs Werk. Diese Kritik betrifft ungefähr 80 Überlieferer und etwa 110 aHâdîṯ. Die Kritik zeigte, dass diese aHâdîṯ, obgleich sie nicht fehlerhaft oder falsch waren, nicht dem hohen Standard entsprachen, der von buẖârî aufgestellt wurde."
Über ibn mâǧa wird in The Encyclopaedia of Islam, Band III, S. 856:vermerkt:
"[...] Es [sein kitâbu`s-sunan] wurde kritisiert, weil es viele schwache (Da'îf) Überlieferungen enthält; man sagte sogar, dass alle Überlieferungen darin, die nicht in den fünf früheren Sammlungen vorkamen, nicht authentisch seien. [...].
M. Azami, Hadith Methodology and Literature, S. 105, 106:
"Seine Bücher enthalten 4.341 aHâdîṯ; von ihnen werden 3.002 von den anderen Verfassern der verbleibenden fünf Bücher verzeichnet, entweder von allen oder von einem von ihnen. Es bleiben 1.339 aHâdîṯ, die nur von ibn mâǧa verzeichnet wurden und nicht von den anderen fünf verzeichnet wurden.
Diese werden folgendermaßen eingestuft:
428 aHâdîṯ von 1.339 sind authentisch
199 aHâdîṯ von 1.339 sind gut [ein Begriff, der oft nur verdecken sollte, dass der Hadîṯ nicht authentisch war, jedoch für "wichtig" gehalten wurde]
613 von 1.339 haben einen schwachen isnâd
99 aHâdîṯ von 1.339 sind munkar [abzulehnen] und makḏûb [erlogen].
Die anderen Gelehrten wie abû dâwûd und at-tirmiḏî verzeichneten auch schwache aHâdîṯ, aber sie kennzeichneten sie meistens in ihrem Buch. Aber ibn mâǧa ging schweigend darüber hinweg, selbst wenn er einen gefälschten Hadîṯ verzeichnete."
Mit anderen Worten:
Bei aḥmad ibn ḥanbal sind die ausgewählten Ḥadîṯe (wohl wegen seiner weniger strengen Regeln) 5,3 %,
bei mâlik ibn anas ist der Prozentsatz 1,72 %,
laut den vorliegenden Zahlen betrachten vier Autoren der „Sechs Bücher” etwa 0,4 % bis 1,01 % ihrer gesammelten Überlieferungen als besonders betraubar.
Ḥadîṯ-Wissenschaftler raten zudem dazu, dass, wer noch sicherer gehen will, nur auf Ḥadîṯe zurückgreifen sollte, die auf Arabisch muttafaq 'alay-hi genannt werden, d.h. Ḥadîṯe, die beide Sammler, al-buẖârî und muslim, für ihre jeweiligen Bücher auswählten.
Aber auch sie sollten nicht leichtgläubig akzeptiert werden.
Nebenbei
Ḥadîṯe werden geprüft hinsichtlich ihres isnâd (Kette der Überlieferer) und matn (der überlieferte Text). Wenn jedoch beides glaubhaft gefälscht wurde, ist die Entscheidung entsprechend schwierig. Wer sich später auf den Namen des Ḥadîṯ-Sammlers beruft und nicht selbst nachdenkt, kann nicht immer sicher sein. |
5 Welche Autoren, welche Bücher gibt es zum Thema 'Islam und Homosexualität'? (Frage an ChatGPT 27.08.2025)
Die Antwort von ChatGPT:
(Die im folgenden Text in dieser Farbe geschriebenen Wörter sind Links auf weiterführende Literatur im Internet: Mit rechter Maustaste anklicken und z.B. "Link in neuem Tab öffnen" wählen).
ChatGPT | Hier ist eine umfassende Übersicht renommierter Autoren und Bücher zum Thema Islam und Homosexualität. Ich habe Werke aus dem akademischen, essayistischen und persönlichen Bereich auf Deutsch und Englisch zusammengestellt: Wichtige Werke (englischsprachig)
Living Out Islam: Voices of Gay, Lesbian, and Transgender Muslims
Weitere erwähnte Titel laut Queer Muslim Network:
Deutsche Fachliteratur
Aktuelle Berichte / Memoirs (News)
|
Mit folgender Übersichtstabelle von ChatGPT:
ChatGPT | Übersichtstabelle | |
Sprache | Autor / Hrsg. | Titel / Thema |
Englisch | Parvez Sharma | A Sinner in Mecca… (Memoir, 2017) |
Englisch | Khaled El‑Rouayheb | Before Homosexuality… (historisch, 1500–1800) |
Englisch | Samar Habib (Hrsg.) | Islam and Homosexuality (2 Bände) |
Englisch | Scott Siraj al‑Haqq Kugle | Homosexuality in Islam; Living Out Islam (Reflexion & Stimmen) |
Englisch | Afdhere Jama | Queer Jihad (Essays & Aktivismus) |
Englisch | Amrou Al‑Kadhi | Unicorn (Memoir, Drag & Identität) |
Englisch | Samra Habib | We Have Always Been Here (Memoir) |
Deutsch | Ali Ghandour | Liebe, Sex und Allah (Erotisches Erbe, 2019) |
Deutsch | Bochow & Marbach (Hg.) | Homosexualität und Islam (Migration & Diskurs, 2003) |
Deutsch | Amin K. Waltter | Islam und Homosexualität… (Quellenanalyse) |
Deutsch | Olfa Youssef | The Confusion of a Muslim Woman… (Theologie & Homosexualität) |
Memoir/Nachrichten | Lamya H | Hijab Butch Blues (identitärer Memoir) |
Memoir/Nachrichten | Ludovic-Mohamed Zahed | The Koran and the Flesh (Memoir) |
6 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Moscheen sind homofreundlich?
Zusammenstellung aus 3 Anfragen an ChatGPT am 27.08.2025 und 28.08.2025:
Frage 1: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen sind homofreundlich?
Frage 2: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen weltweit sind homofreund-lich?
Frage 3: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen in der muslimischen Welt sind homo-freundlich?
(Die im folgenden Text in dieser Farbe geschriebenen Wörter sind Links auf weiterführende Literatur im Internet: Mit rechter Maustaste anklicken und z.B. "Link in neuem Tab öffnen" wählen).
ChatGPT | Hier ist eine Übersicht über Personen, Gruppen, Organisationen und Moscheen, die sich im Kontext von Islam und Homosexualität als homofreundlich oder zumindest als bemüht um Inklusion zeigen — mit Schwerpunkt auf Deutschland, ergänzt um internationale Beispiele: Homofreundliche Moscheen & Initiativen Ibn‑Rushd‑Goethe‑Moschee (Berlin) Dar‑as‑Salam‑Moschee (Berlin‑Neukölln) Weitere Begegnungsprojekte Beim „Haus der Weisheit“ (Moabit, Berlin) wurde LGBTI-Menschen im Rahmen einer Begegnungsveranstaltung offen begegnet – mit Respekt und Dialog als Ziel. religion-meets-lsbti.de Masjid al‑Rabia (Chicago, USA) Light of Reform Mosque (Washington, D.C., USA) Unity‑Mosques (USA & Kanada; unter MPV) Masjid ul‑Umam / People’s Mosque (Kapstadt, Südafrika) Masjid ul‑Ghurbaah – Al‑Ghurbaab Foundation (Südafrika) Mariam Mosque („The Open Mosque“, Kopenhagen, Dänemark) Moscheen/Gebetsräume in Paris (Ludovic‑Mohamed Zahed) Weitere internationale Räume Eine Tumblr‑Liste verweist ergänzend auf weitere inklusive Orte wie z. B. Unity Mosque in Australien, Masjid Al‑Nisa in Oslo (frauengeführt), virtuelle und intersektionale Räume in Italien/Mexiko u. a. Tumblr. Moscheen & Gebetsräume im muslimischen Kontext Paris, Frankreich – inklusiver Gebetsraum (Ludovic‑Mohamed Zahed) Kapstadt, Südafrika – Al‑Ghurbaah Foundation („People’s Mosque“) (Muhsin Hendricks) Oslo, Norwegen – Masjid Al‑Nisa Italien – Moschea al-Kawthar (virtuell) Pakistan & Indien – historisch bedeutsame Orte Khusray Wali Masjid, Hijron Ka Khanqah und Dargahs wie Shah Hussain oder Lal Shahbaz Qalandar gelten als traditionelle Zufluchtsorte für queere/trans Muslim*innen (Transpersonen, hiǧras). Tumblr Organisationen & Bewegungen in der muslimischen Welt Association Shams & Radio Shams (Tunesien) Helem (Libanon / MENA) Mesahat & Bedayya (Ägypten/Sudan) IraQueer (Irak) Internationale bzw. global verankerte Organisationen (auch muslimisch) Mecca Institute Muslims for Progressive Values (MPV) Muslim Alliance for Sexual and Gender Diversity (MASGD, USA) Liberal-islamische Organisationen & Personen Liberal‑Islamischer Bund (LIB) Christian Awhan Hermann & Kalima Internationale Beispiele Al‑Fatiha war eine internationale Organisation (1998–2011), die LGBT-Muslim*innen und ihre Familien unterstützte — mit Ablegern z. B. in den USA, Großbritannien, Kanada.Wikipedia Inclusive Mosque Initiative (IMI) in London (Gründung 2012): eine pluralistische, gender-inklusive Moschee, die ausdrücklich auch LGBT offener steht.Wikipedia In Frankreich eröffnete Ludovic‑Mohamed Zahed 2012 die erste queere Moschee. Er ist einer der wenigen offen schwulen Imame weltweit.Wikipedia DIE ZEITDeutsche Welle In den USA leitet Imam Daayiee Abdullah die Organisation „Muslims for Progressive Values" (MPV, gegründet 2006). Auch hier beten Männer und Frauen gemeinsam, queere Menschen sind eingeladen, und er hat gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen.Wikipedia In Südafrika setzt Imam Muhsin Hendricks sich offen für einen „Glauben ohne Selbstverleugnung“ ein; er hat gleichgeschlechtliche Paare getraut und betont, dass Homosexualität aus islamischer Perspektive nicht zwangsläufig diskriminiert sein muss.Deutschlandfunk Zusammenfassung Begegnungshäuser Fazit Überblick & Kontext Region / Land Beispielräume & Initiativen |
7 Ein Hinweis zur menschlichen Natur (fiṭra - فطرة)
(30:30)
فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا ۚ فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا ۚ لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ۚ ذَٰلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَٰكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ
So wende dein Gesicht zur Religion als ein Ḥanîf, in der natürlichen Anlage (fiṭra -فطرة) Allahs, mit der Er die Menschen erschuf. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid.
Ein Ḥanîf ist (nach H. Wehr) ein „Rechtgläubiger; e-r, der statt der ihn umgebenden falschen die wahre Religion bekennt“.
Und فطرة - fiṭra ist (nach H. Wehr) die „Natur, Veranlagung, angeborene Anlage; Instinkt“, d.h. die ursprüngliche Natur, die Allah Seinen Geschöpfen in der von Ihm gewollten Ausprägung mitgibt.
In vielen Versen wird Allah als fâṭir (فاطر) – Schöpfer bezeichnet, d.h. als Derjenige, Der alles erschafft, Der dem Geschaffenen die für es bestimmte فطرة - fiṭra (Anlagen, Eigenschaften, Instinkte, Naturanlage) mitgibt, die nicht änderbar sind.
S. Abul A'la Maududi, The Holy Qur'ân, Translation and Brief Notes with Text, betont daher in Anmerkung 8 zu Vers (30:30):
„... Diese natürliche Veranlagung des Menschen kann nicht geändert werden, so sehr man es auch versucht. ...“
7 Nachträge zu Feststellungen auf der Unterseite „Fakten 1“
Der Bedeutungswandel von šahwa شهوة durch den Sodom-Mythos der Kirchenväter in Qur'ân-Kommentaren
Im Qur'ân tadelt Lot sein Volk viermal mit jeweils ähnlichen Worten. An 2 Stellen ((7:81 und (27:55)) wird der Tadel ergänzt durch den arabischen Ausdruck:
„شَهْوَةً- šahwatan - bei einem Begehren“.
An den beiden anderen Stellen ((26:165, 166) und (29:29)) ist er jedoch nicht vorhanden.
In Übersetzungen des Qur'âns (von Muslimen sowie Nicht-Muslimen) wird dieser Ausdruck immer im sexuellen Sinn wiedergegeben wie:
in Begierde, im Gelüst, in lüsterner Begier, mit Lust, wollüstig, lüstern, für die Befriedígung eurer sexuellen Begierde, ihr nähert euch Männern in euren Begierden und Ähnliches.
Und einige Übersetzer (Muslime wie auch Nicht-Muslime) fügen diesen Ausdruck sogar bei den Versen (26:165) und (29:29) – teils in Klammern - ein, wo dieser Ausdruck gar nicht benutzt wird. Vielleicht, um „Missverständnisse“ beim Leser zu vermeiden?
Hier alle 4 Stellen in deutscher Übersetzung:
(7:81):
"Ihr kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt/neben/, nicht zu den Frauen"
(27:55):
"Kommt ihr denn zu den Männern bei einem Begehren anstatt/neben/, nicht zu den Frauen?"
(26:165, 166):
"Kommt ihr denn in aller Welt zu den Männern
und lasst unbeachtet, was euch euer Herr an euren Partner(inne)n erschaffen hat?"
(29:29):
"Kommt ihr denn zu den Männern und begeht Wegelagerei? (…)."
Bei diesen Texten (in Übersetzungen und Kommentaren) zeigt sich deutlich, dass der Sodom-Mythos der Kirchenväter bis heute das Denken bestimmt, und es bleibt unberücksichtigt, dass das Wort شَهْوَة - šahwa - Begehren - in der Zeit vor den Qur'ân-Kommentaren im Arabischen eine etwas andere Bedeutung hatte. Eine Untersuchung der Verwendung des Wortstamms und seiner Ableitungen im Qur'ân zeigte es bereits.
Die Frage an DeepSeek:
Mich interessiert das Wort شهوة und seine Bedeutung in der vorislamischen Zeit.
Das Wichtigste aus der umfangreichen Antwort von DeepSeek:
DeepSeek | „Das arabische Wort شهوة (shahwa) bedeutet im modernen Sprachgebrauch vor allem „Begierde“, „Lust“ oder „Leidenschaft“, oft im sexuellen Kontext. Um seine Bedeutung in der vorislamischen Zeit (der Dschahiliyya) zu verstehen, müssen wir verschiedene Quellen wie altarabische Poesie, Lexikografie und religionsgeschichtliche Studien heranziehen. **** Auf eine andere Frage: "Autorität und Reinheit: Der Koran galt als das perfekte Arabisch. Für die Lexikografen (Wörterbuchautoren) war die Sprache des Korans der höchste Beweis für die Korrektheit eines Wortes, seiner Bedeutung und seines Gebrauchs. Zusammenfassung und Fazit |
Wie bereits zuvor festgestellt auf der Unterseite "Fakten 1" bei einem Vergleich aller Stellen im Qur'ân, in denen es vorkommt: Das arabische Wort šahwa شهوة hat durch den Einfluss des Sodom-Mythos der Kirchenväter in den Qur'ân-Kommentaren und den darauf aufbauenden Wörterbüchern in der arabischen Sprache einen deutlich erkennbaren Bedeutungswandel durchlaufen, der das Verständnis des Qur'ân-Textes bis heute und damit z.B. auch moderne Qur'ân-Übersetzungen beeinflusst.
Einfluss des Sodom-Mythos auf die Qur'ân-Interpretation
Eine weitere Frage an DeepSeek zeigt die Richtigkeit unserer Sicht, wie sehr die Interpretation der Erzählung von Lot und seinem Volk im Qur'ân von dem Sodom-Mythos der Kirchenväter überlagert wurde:
Die Frage:
Hatte der Sodom-Mythos, d.h. hatte die Lehre der Kirchenväter, entscheidenden Einfluss auf die Interpretation der Lot-Erzählung im Qur'ân, als nach der Eroberung der Levante durch die Muslime schnell Christen und Juden als Konvertiten (mawâlî) die Mehrheit der Muslime bildeten?
beantwortete DeepSeek (ausschnittweise) folgendermaßen:
DeepSeek | „Eine erneut hervorragende und tiefgehende Frage, die den Prozess der koranischen Exegese (Tafsīr) und den kulturellen Austausch im frühen Islam beleuchtet. Die kurze Antwort lautet: Ja, der biblische Sodom-Mythos und die Auslegungstraditionen der Kirchenväter hatten einen entscheidenden, wenn auch nicht unkritisch übernommenen, Einfluss auf die islamische Interpretation der Lot-Erzählung. Diese Beeinflussung verstärkte sich tatsächlich in dem von Ihnen beschriebenen historischen Kontext.“ “Der Historische Kontext: Die Eroberung der Levante und die Mawālī Diese Gelehrten – wie Ka'b al-Aḥbār (ein konvertierter jüdischer Gelehrter) oder Wahb ibn Munabbih (ein konvertierter persischer Gelehrter mit jemenitisch-jüdisch-christlichem Hintergrund) – wurden zu wichtigen Quellen für Geschichten über die Propheten (Qaṣaṣ al-Anbiyā').“ „Konkretisierung der Sünde: Die koranisch vage "Schändlichkeit" (al-fāḥishah) wurde durch die Isrā'īliyyāt eindeutig und spezifisch mit der homosexuellen Handlung identifiziert, wie sie im Sodom-Mythos zentral ist. Die Auslegungen von Kirchenvätern wie Augustinus, die Homosexualität als den Kern der Sünde von Sodom betrachteten, fanden auf diesem Weg indirekt Eingang in den Tafsīr. Übernahme von Erzählelementen: Die gesamte dramatische Erzählung aus Genesis 19 – die Engel in Menschengestalt, die Bedrohung durch die Menge vor Lots Haus, das Angebot der Töchter, die Blendung der Angreifer, die Warnung, sich nicht umzudrehen, die Verwandlung von Lots Frau zur Salzsäule – wurde in die islamische Volksfrömmigkeit und die Qaṣaṣ al-Anbiyā'-Literatur übernommen, obwohl sie im Koran so nicht steht.“ „Fazit |
9 Fazit der bisherigen Untersuchungen
Es gibt im Qur'ân kein Verbot und keine Verurteilung einer homosexuellen Lebensweise, und es gibt ebenso keinen authentischen Ḥadîṯ mit einer solchen Aussage.
Als jedoch die Muslime in der Frühzeit ihrer Geschichte die Levante einnahmen, traten als Folge davon so viele Christen und Juden zum Islam über, dass sie bald die Mehrheit der damaligen Muslime bildeten. Und anders als die arabischen Muslime besaßen sie aufgrund z.B. der organisierten Kirche, der sie zuvor angehörten, besonders wenn sie in ihr leitende Funktionen innehatten, eine Ausbildung in ihrem religiösen Denken. Sie waren daher nach ihrer Konversion gefragte Quellen für religiöses Wissen, und dazu gehörte leider auch der von den Kirchenvätern zuvor in mehreren Jahrhunderten ausgearbeitete Sodom-Mythos mit all seinen Absurdi-täten. So gelangten diese Vorstellungen in die alten Qur'ân-Kommentare und damit in das Denken der Muslime.
Und die Mehrheit der heutigen muslimischen Gelehrten folgen erkennbar ihren „Vorbildern“, den „Kirchenvätern“.
Auch sie erkennen an, dass alles Existierende von Allah erschaffen wurde, und auch sie behalten sich – ebenso wie die „Kirchenväter“ - vor, es nach ihrem Gutdünken in „Richtiges“ und „nicht Richtiges“ einzuteilen, wenn es nicht ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht, wie z.B. Sexualität mit allen ihren von Allah so gewollten und geschaffenen Variationen.
Nicht das ist für sie in vollem Umfang akzeptabel, was sie als Allahs Schöpfung vorfinden, sondern nur das, was sie darin als „richtig“ im Sinne einer imaginierten Zweckorientiertheit billigen wollen, können.
Allah hat offenbar alles auf Seine Weise erschaffen, und nicht alles jeweils nur für einen einzigen bestimmten Zweck, sondern gegebenenfalls auf mehrere Zwecke hin.
Mit dieser wunderlichen, absurden, bizarren Herangehensweise wollen sie festlegen, was Islam für sie „eigentlich“ sein sollte, und stellen ihre eingebildeten Modelle an die Stelle dessen, was der Wortlaut des Qur'âns zum Ausdruck bringt.
Meine Belege dafür finden sich in meinen Büchern und, in verkürzter Form, auf dieser Web-Seite, für jeden einsehbar, überprüfbar und damit – gegebenenfalls – widerlegbar.
Die teilweise Verwendung von KI (= künstliche Intelligenz, Antworten überwiegend von ChatGPT aber auch von DeepSeek) mögen Zweifel wecken z.B. weil sie in unterschiedlicher kultureller Umgebung entstanden und die Autoren der jeweiligen Software möglicherweise einen gewissen Einfluss auf Entscheidungsprozesse der KI hinsichtlich der Bewertung der verwendeten Literatur hatten. ChatGPT entstand ja in einem Umfeld mit evangelikalen Einstellungen und Bestrebungen, sogar Kreationismus statt der Evolutionslehre als Schulfach durchzusetzen, während DeepSeek in einem Umfeld entstand, das weniger christliche, eher atheistische Wurzeln hat. Aber der Vergleich bei einigen Fragen ergab ganz ähnliche Antworten, sodass man derartige Bedenken wohl vernachlässigen kann.
Ende dieser Unterseite